Evelyn Grill

Vanitas oder Hofstätters Begierden

Roman
Cover: Vanitas oder Hofstätters Begierden
Residenz Verlag, St. Pölten und Salzburg 2005
ISBN 9783701714056
Gebunden, 181 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Nicht Liebe war es, was den aufstrebenden Juristen Alois Hofstätter in die Ehe mit der Schauspielerin Olga trieb, der ein ganzes Stück älteren Witwe eines verstorbenen Klienten: es waren ihr Ansehen und ihr Vermögen, ihre leicht angereifte erotische Ausstrahlung und der nicht zu vernachlässigende Umstand, daß sie ein Kind von ihm erwartete. Hofstätters wahre und ewige Liebe gilt der Kunst und seine Leidenschaft dem Spiel, seit er kurz und glücklos einem jungen Mann verfiel, der seine Begierden nicht nur auf sich selbst, sondern auch ins Kasino zu lenken wußte. Die Gattin hält ihn schuldenfrei, und das Kind ist mittlerweile zu einem Jüngling herangewachsen, an dem sich die Sinne des praktizierenden Ästheten schadlos halten können, an dem sie einen Ausgleich finden für die körperlichen und seelischen Zumutungen der welkenden Gefährtin. Doch das Gefüge der großbürgerlichen Scheinwelt, welche die dekadenten Eitelkeiten der beiden befriedigt, ist brüchig: im Spannungsverhältnis zwischen äußerlicher Repräsentation und dem inneren Ungenügen, ja der immer weniger zu unterdrückenden Feindschaft, wachsen sich die Konflikte eines "falschen" Lebens zu einem erbitterten Machtkampf aus, der schließlich in die Katastrophe führt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2006

Beeindruckt zeigt sich Rezensentin Daniela Strigl von Evelyn Grills neuem Roman "Vanitas oder Hofstätters Begierden". Die Geschichte über ein bizarres Ehepaar, den homosexuellen Dandy Hofstätter, ein wahres Monstrum, und seine Gattin Olga, steinreiche Witwe eines russischen Fürsten, liest sie als eine "großbürgerliche Rocky Horror Picture Show", die die "Bourgeoisie als Hort der Perversion" vorführt. Dabei werde auch die Frage thematisiert, "wie die Dekadenz dieser Jahrhundertwende Strategien des Genießens gegen den Tod mobilisiert". Strigl bescheinigt Grill, für sie eine "als Zynikerin verkappte Moralistin", "bösen Witz" und "kalte Pracht". Überhaupt zeichnet sich das Werk für Strigl durch seine Radikalität und seinen diagnostischen Scharfblick aus.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2005

Eine "strikt monothematische Satire über die Eitelkeit in ihrer zeitgenössischen und in ihrer anachronistischen Bedeutung" erblickt Rezensentin Marion Löhndorf in Evelyn Grills neuem Roman "Vanitas oder Hofstätters Begierden". Konsequent konjugiere die Autorin ihren Gegenstand - Schönheitswahn, Liebe zur perfekten Oberfläche, Vergänglichkeit, Nichtigkeit und Leere - durch. Auf Löhndorf wirkt der Roman etwas ambivalent. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass Grill ihr Handwerk beherrscht. So beschreibe sie die Kunstleiden ihrer Marionettenmenschen "ironisch geschraubt" und "gekonnt". Andererseits schlage sie immer wieder nur denselben Ton an. Die permanente Namensnennung von Künstlern, Kunsthandwerkern und Markennamen findet Löhndorf irgendwann "einfach nur ermüdend". Grills Roman erscheint ihr deshalb zwar "sorgfältigst konstruiert, aber statisch": In den Figuren kann die Rezensenten kein Leben entdecken, und auch die Geschichte wird von deren Bewegungslosigkeit angesteckt, sie "steht still".
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