Norbert Hummelt

zeichen im schnee

Gedichte
Cover: zeichen im schnee
Luchterhand Literaturverlag, München 2001
ISBN 9783630620053
Broschiert, 104 Seiten, 9,46 EUR

Klappentext

Ob Romantik oder experimentelles Schreiben - Hummelt nimmt sich die Freiheit, dann auf die Tradition zurüchzugreifen oder mit den gewohnten Formen zu brechen, wenn es seine dichten Momentaufnahmen von flüchtigen Bildern und beunruhigenden Lebenssituationen erfordern. Ihm geht es in seine Gedichten um nicht weniger als das Herstellen von Kunst. Die Bausteine dafür findet er in der Sprache.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2001

Nach Sibylle Cramer geht es in diesen Gedichten hauptsächlich um die "Vergesellschaftung des Kindes", um seine Anpassung "an die zweckrationale Verfasstheit des modernen Lebens". Doch scheint die Rezensentin der Ansicht zu sein, dass Hummelt hier weitgehend gescheitert ist. Da nützen auch die Annäherungen des Dichters an Proust nicht viel, wie Cramer findet. Besonders stört sich die Rezensentin an den Reimen Hummelts, etwa wenn er 'heiße brühe' auf 'atemzüge' oder 'samenerguss' auf 'husten muss' reimt. Zwar hat sie prinzipiell nichts gegen eine Welt, in der "heiße Brühe, Kehricht, Himbeersirup, Bohnerwachs, Fußbäder" und ähnliches eine Rolle spielen, einzuwenden. Doch offensichtlich ist Cramer der Ansicht, dass der Dichter hier nicht die nötigen poetischen Mittel zur Anwendung kommen lässt. Dass Hummelt seine Gedichte als Zyklus präsentiert, in dem ein Gedicht dem folgenden Stichwörter gibt, weiß Cramer prinzipiell anzuerkennen. "Nur fehlt seiner Sprache ein Leibgeber", findet sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.07.2001

Rüdiger Wartusch hat dem durchschnittlichen Leser voraus, dass er Norbert Hummelt von dessen musikalisch-lyrischen Vorträgen kennt. Von seinem dritten Gedichtband, einem Bilderreigen aus Kindertagen, bei dem sich alle möglichen gefiederten Wesen, ob sangeslustig oder stumm, tummeln, ist er begeistert. Der Rezensent schätzt bei dem rheinischen Lyriker dessen Könnerschaft in verschiedenen Lyrikgattungen (von Sonetten bis hin zu Renshi-Gedichten) und seinen Humor, der bis zur Selbstironie gehe. Zwar vergleicht er ihn mit Eichendorff, doch sei Hummelt in Sprache, Form und Rhythmus und nicht zuletzt bei der Themenwahl modern und zeitgemäß (wer besinge schon Tesafilm, Treets und Tetrapak?). Kurz: Der Lyriker verbinde "die Elemente der klassischen Dichtung und Hochkultur mit Anleihen bei Jazz und Rock".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2001

"Wunderlichkeit" lautet das Stichwort, das Benedikt Erenz zu Norbert Hummelts Gedichten einfällt. Auf den ersten Blick: die üblichen Themen, lässt Erenz verlauten, beim genaueren Lesen aber ein plötzliches Hinhören, Aufhorchen: der Ton ist anders, eben wunderlich. Der Dichter spiele mit Reimen, Assonanzen, seine Sprache sei "leicht und spröde", schreibt Erenz über Hummelt, der sich den kindlichen Blick bewahrt habe und alles mit einer gewissen Andacht betrachte: "Ernie und Schubert" in einem. Hier und da klängen Benn und Jandl durch, vermeldet Erenz. Was ihm aber am wunderlichsten scheint, ist Hummelts Handhabung der Zeit, die vor- und zurückspringe oder manchmal auch -krieche, ein Gedankenstrom, glasklar und wässrig zugleich, der Erenz an den Grund eines Baches denken lässt.