Nina Bußmann

Drei Wochen im August

Roman
Cover: Drei Wochen im August
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432211
Gebunden, 317 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"Ein paar Tage am Meer können reichen, um alles in Frage zu stellen." Ein abgelegenes Ferienhaus an der französischen Atlantikküste: Hier will Elena mit ihren Kindern drei unbeschwerte Wochen verbringen. Ihr Mann ist zu Hause in Deutschland geblieben, die Ehe läuft nicht gut. Dafür hat Elena die Babysitterin Eve und eine Freundin der dreizehnjährigen Tochter eingeladen. Doch was als entspannte Auszeit beginnt, wird immer stärker bedroht, von außen wie von innen: Die ausgetrockneten Wälder stehen in Flammen, unangekündigte Gäste tauchen auf, Konflikte spitzen sich zu - befeuert von Eifersucht, Misstrauen und Abhängigkeiten. Bis eines der Mädchen plötzlich verschwindet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.05.2025

Dass "das Realistische ausgerechnet das Unheimliche ist" führt Nina Bußmann Rezensentin Judith von Sternburg in ihrem neuen Roman vor Augen. Mit viel Gespür für Nuancen in der Kommunikation und beunruhigenden Details, schildert Bußmann den Ferienaufenthalt von Elena, ihren Töchtern und dem Kindermädchen Eve im Haus ihrer Chefin Ali. Bußmann streut geschickt Hinweise auf das baldige Ende der Idylle: Waldbrände wüten in nicht so weiter Ferne, einmal trifft die Gruppe eine Familie mit Hund beim Spazieren, später kommt der Hund dann ganz alleine wieder. Erzählt wird aus der Perspektive von Elena und der von Eve, auch hier tuen sich Rätsel auf, verrät Sternburg: Wer ist dieses Kindermädchen, deren Biografie komplett verschwiegen wird? Auch die unterschwelligen hierarchischen Gefälle zwischen den Figuren weiß Bußmann geschickt anzudeuten, lobt Sternburg, für die der Roman einen "Abgesang auf die vertraute Welt" enthält. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2025

Nina Bußmanns neuer Roman lässt den Rezensenten Ronald Düker an Alain Delon und Romy Schneiders Film "Swimming Pool" denken, die Gemeinsamkeit liege darin, dass beide zunächst entspannte Erholung in Frankreich versprechen, die Stimmung aber recht schnell kippt, als einige Unbekannte eintreffen. Bußmann stellt die Protagonistin Elena ins Zentrum, deren Job in einer Galerie eher dem Zeitvertreib dient, das Geld bringt Ehemann Kolja nach Hause, die beiden Kinder haben die Pandemie nicht so gut verkraftet, erfahren wir. Es kriselt in der Beziehung, deswegen fährt Elena zunächst ohne Kolja mit den Kindern nach Frankreich, er gibt ihr noch einen Ratgeber zur Polyamorie mit, erzählt Düker. Neben der psychologisch genauen Auffassungsgabe der Autorin überzeugt ihn "der dumpfe Phantomschmerz eines Ungesagten", der immer mitschwinge. Ein lesenswertes, spannendes Kammerspiel, lobt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2025

Nina Bussmann hat einen neuen Roman über recht unterschiedliche Frauen geschrieben, die ihren Urlaub an der Atlantikküste gemeinsam verbringen, erklärt Rezensentin Tina Hartmann die Prämisse: Elena ist Kuratorin, Eve ist das Kindermädchen, das auf die Tochter Linn, deren Freunden Noémi und den autistischen Sohn Rinus aufpasst. Die Männer in ihrem Leben sind allesamt etwas seltsam, Elenas Ehemann möchte eine offene Beziehung, die Klimakatastrophe rückt mit Waldbränden auch immer näher, die beiden Frauen kommen aufgrund ihrer sozioökonomischen Unterschiede nicht richtet zueinander, reißt Hartmann nur einige der verhandelten Themen an. Dass beide Frauen abwechselnd und ganz unterschiedlich erzählen, sorgt dafür, dass sie sie in fast "mythischen Dimensionen" wahrnimmt und nicht als Karikaturen - das macht für sie abschließend auch die Faszination an diesem Buch aus.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 25.02.2025

Als ein Buch, das vieles im Ungefähren lässt und gerade darin stark ist, beschreibt Rezensentin Meike Feßmann Nina Bußmanns Roman. Dessen Schauplatz kennt man laut Feßmann aus Filmen wie "Der Swimmingpool" von Jacques Deray: Elena darf ein paar Monate lang mietfrei in einer Villa am Atlantik leben, mitgenommen hat sie unter anderem ihre beiden Kinder und die Nanny Eve, die neben Elena selbst die zweite Erzählerin dieses Buches ist. Außerdem wohnt ein Ostheopath aus Paris auf dem Nachbargrundstück und Rettungssanitäter Franz reist mit seiner Tochter an - das führt zu amourösen Verwicklungen, verrät die Kritikerin, auch Polyamorie ist im Spiel, insgesamt wird klar, so Feßmann, dass sich das alles nicht mehr in die Bahnen der klassischen Familienstruktur lenken lässt. Die vor "Hitze und erotischer Spannung" glühende Geschichte kommt zu ihrem Höhepunkt als ein Feuer in der Nähe der Villa ausbricht - die bedrohliche Gegenwart kommt zurück, so die Kritikerin, die das Buch auch sprachlich eindrücklich findet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.02.2025

Ein Roman voller "Mikrostorys" ist dieses Buch von Nina Bußmann, hält Rezensent Carsten Otte fest: Die Protagonistin Elena reist ohne ihre Familie, nur mit der Haushälterin Eve nach Frankreich in ein Ferienhaus, das ihrer Freundin und Chefin Ali gehört. Eve und Elena stellen die beiden Perspektiven, aus denen erzählt wird von Klassenunterschieden, von Einsamkeit und Härte und vom Klimawandel,  der in Form von Waldbränden immer näher rückt und trotzdem ignoriert wird, erfahren wir. Die eigentlichen Brände werden aber zwischen den  Figuren gelegt, so kommen Elenas Kinder nach Frankreich, ihre Tochter verschwindet zwischenzeitlich, der Sohn verletzt sich und die Freundschaft mit Ali nimmt ein Ende, so Otte. Ihm gefällt, dass  Bußmann ihre Figuren alle für sich präzise ausleuchtet und ihre Abgründigkeit zeigt, ohne ins Moralisieren zu verfallen - so ergibt  sich aus vielen Mosaikstückchen ein überzeugendes erzählerisches Ganzes, hält er abschließend fest.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2025

Hymnisch bespricht Rezensent Paul Jandl den neuen Roman von Nina Bussmann, den er für einen virtuosen, "flirrenden" Sommer-Thriller hält. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe von Frauen, darunter Elena, die neben ihrer Vertrauten Eve unter anderem ihre Tochter Linn und deren Freundin Noémie mitbringt, die alle in einem Landhaus am Atlantik unterkommen. Rundherum brennt es, das Meer ist auch nicht ohne Gefahren und die 13-jährigen Mädchen Linn und Noémie feiern weltvergessen und in postpandemischer Einsamkeit den "Zauber der Jugend", stets beobachtet von Mutter Elena, resümiert der Kritiker. Bald taucht zudem ein mysteriöser Franz auf, dessen Verhältnis zur nicht volljährigen Tochter einer angeblichen Freundin von den übrigen Gästen misstrauisch beäugt wird. Zuguterletzt verschwindet auch noch eines der Mädchen. Vielmehr verrät Jandl nicht, aber das "Vexierbild", das mit popkulturellen Swimmingpool-Referenzen von Hockney über Romy Schneider und Alain Delon bis hin zu Francois Ozon spielt, zieht ihn in seinen Bann. Ein "grandioser" Roman, der mit Hintersinn und feiner Psychologie von spätem Begehren und pubertärer Erotik erzählt, schließt er.