Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518588451 Gebunden, 700 Seiten, 44,00
EUR
Klappentext
Herausgegeben von Christoph Gesigora, Johannes F. K. Schmidt und André Kieserling. Unter Mitarbeit von Tobias Dombrowsky. "Alle Menschen werden erzogen. Jede Gesellschaft erzieht." Mit diesen knappen Sätzen beginnt Niklas Luhmanns zwischen 1975 und 1977 entstandenes Buch über ein bedeutendes Teilsystem moderner Gesellschaft: die Erziehung. Was ist ihre Funktion? Wodurch sind Lehren und Lernen bestimmt? Wie verhält sich Erziehung als System? Wie organisiert man sie als Prozess? Luhmann beantwortet diese Fragen mit einer umfassenden soziologischen Theorie, die bei aller Abstraktheit keineswegs blind ist für die Vielfalt der Erfahrungen, die in Schulen gemacht werden. Gerade nämlich was in den Klassenzimmern geschieht, hat für Luhmann zentrale Bedeutung. Denn anders als in Wirtschaft und Politik kann man sich im Bereich der Erziehung auf Kommunikationsmedien wie Geld oder Macht, die auch Abwesende überzeugen, nicht verlassen. Dies wertet die Kommunikation unter den Anwesenden - den Schülern und Lehrerinnen - auch für den Gesellschaftstheoretiker auf. Mit anderen Worten: Es liegt hier ein Grundlagenwerk vor, das keineswegs ausschließlich für Soziologen geschrieben wurde. Auch Pädagoginnen und Erzieher können noch etwas lernen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2026
Rezensent Guido Kalberer hält den von Christoph Gesigora, Johannes F. K. Schmidt und André Kieserling unter Mitarbeit von Tobias Dombrowsky herausgegebenen Band mit Niklas Luhmanns Mitte der 1970er entstandenen Gedanken zur Erziehung scheinbar für verzichtbar. Besser, da erkenntnisreicher findet er Luhmanns "Das Erziehungssystem der Gesellschaft" von 1998. Im vorliegenden, von Luhmann selbst lange nicht zur Veröffentlichung freigegebenen Band warnt der Soziologe vor reformpädagogischer Schulerziehung und vergleicht den Prozess der Erziehung mit der Evolution, wie der Rezensent erläutert. Dass Erziehung in der Schule den Bedürfnissen einer Gesellschaft dienen soll, legt der Autor laut Kalberer jedoch in seinem späteren Buch "überzeugender" dar. Der vorliegende Band lässt sich nicht auf heutige Verhältnisse übertragen, findet Kalberer. Luhmanns Gedanken sind ihm auch zu wenig konzis in die Systemtheorie eingebettet.
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