Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Heilmann. Nick Hornbys neues Buch spielt wieder in der Welt der Rock- und Popmusik. Sein Protagonist ist ein gescheiterter Rockstar, Tucker Crowe, Jahrgang 1953, der in den achtziger Jahren Triumphe feierte, heute aber völlig zurückgezogen in einer amerikanischen Kleinstadt lebt und bald Großvater wird. Unzufrieden mit seinem Dasein will er etwas ändern... Tucker Crowe, der 1986 kurz vor einem Gig spurlos verschwand, kann kaum glauben, was er im Internet alles über sich lesen muss. Dort tauschen seine glühendsten Fans Informationen aus, nachdem sie alle Stätten seines Schaffens besucht haben, sie lesen seine Songtexte rückwärts und tun noch manch andere merkwürdige Dinge, um Hinweise auf seine Person und seinen Aufenthaltsort zu erhalten. Zu dieser leicht verblendeten Community gehört auch Duncan, der mit seiner Freundin Annie in einem Kaff an der englischen Ostküste lebt. Annie hat sich nach 15 Jahren einigermaßen an seinen Spleen gewöhnt und lässt ihn gewähren, doch als dann plötzlich, welch eine Sensation!, ein neues Album von Crowe auf den Markt kommt, stellt sie eigenständig eine Kritik des neuen Albums ins Netz. Duncan ist entsetzt. Für ihn ist das der Beweis, wie ignorant Annie ist. Tucker Crowe himself wiederum fühlt sich zum ersten Mal verstanden, und er nimmt Kontakt zu Annie auf...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.2009
Der lebensuntüchtige Popfan, den der britische Erfolgsautor Nick Hornby als literarische Figur erfunden hat, steht auch in seinem jüngsten Roman im Mittelpunkt, stellt Gisa Funck fest. Hier allerdings handelt es sich um so etwas wie den Schwanengesang auf einen Menschentyp, der über die obsessive Beschäftigung mit Popmusik und ihrer Protagonisten dem eigenen Leben ausweicht, so die Rezensentin. In "Juliet, naked" begibt sich der nicht mehr ganz junge Universitätsdozent Duncan mit seiner Freundin auf Spurensuche nach einem verschollenen amerikanischen Sänger. Waren allerdings frühere Helden des britischen Erfolgsautors noch "liebenswerte Spinner", so ist Duncan ein ausgemachter "Idiot", der der Rezensentin offenkundig längst nicht so sympathisch ist. Und zur tragischen Größe dieses Antihelden fehlen ihr die erzählerischen Tiefen, was sie allenfalls notdürftig durch "harmlose Pointen" überdeckt sieht. Und deshalb ist Funck von diesem "routinierten Pop-Abschiedsbuch" auch nicht recht zu begeistern.
Freundlich hat Rezensent Thomas Winkler den neuen Roman von Nick Hornby aufgenommen. Das Buch um einen in den achtziger Jahren mäßig erfolgreichen Popmusiker, der nach zwei Jahrzehnten Schweigen wieder eine Platte auf den Markt bringt, scheint ihm eine Art von Remix von Hornbys frühen Werken, nur dass man sich hier nicht mehr im Plattenladen trifft, sondern im Internet. So wirkt der Roman auf Winkler "einigermaßen zeitgemäß". An "High Fidelity" kommt er seines Erachtens allerdings nicht ganz heran. Nichtsdestoweniger hat er sich bei der recht amüsanten Lektüre bestens unterhalten, was nicht zuletzt an der "feinen britischen Ironie" Hornbys liege. Außerdem lobt er die Vielzahl von liebevoll gezeichneten Nebencharakteren, die in dem Buch auftauchen. Dass diese Figuren einem irgendwie aus Hornbys Universum bekannt vorkommen, stört ihn dabei nicht weiter.
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