Diversität
Der biologische Sinn hinter der Vielfalt von Sex, Gender und Geschlecht

DuMont Verlag, Köln 2025
ISBN
9783755800149
Gebunden, 448 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel. Unser Blick auf Sexualität und Gender wurde lange Zeit von der Vorstellung geprägt, dass alles außerhalb der heterosexuellen Orientierung und der binären Geschlechteraufteilung unnatürlich sei. Bis heute glauben viele, dass die Evolution dies vorgäbe, weil es dem Gesetz der Fortpflanzung diene. Vereinzelte Beispiele aus dem Tierreich wie Clownfische, die ihr Geschlecht umwandeln, oder homosexuelles Verhalten bei Pinguinen wurden und werden fälschlicherweise als Ausnahmen betrachtet.Um seine Standpunkte zu verdeutlichen, nimmt uns der Biologe Nathan H. Lents mit auf eine Reise durch das Liebesleben der Tiere, aber auch des Menschen. Es stellt sich heraus, dass die Fluidität von Geschlecht kein neues Phänomen ist. Lents erklärt, dass es in der Natur von Vorteil sein kann, homo-, pan- oder bisexuell zu sein: ob bei schwul lebenden Schwänen, bisexuellen Bonobos oder auch Menschen, die Gruppensex praktizieren, wenn sie den Zusammenhalt einer unter höchsten Belastungen stehenden Gemeinschaft festigen müssen.Lents deckt Vorurteile auf und zeigt, dass am Ende der Kern der Evolution nicht die Fortpflanzung, sondern das Erzeugen von Diversität ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2025
Nathan H. Lents zeigt in ihrem "mit unaufgeregter Sachlichkeit", dass Sex und Geschlecht in der Natur vielfältiger sind, als jede Norm vermuten lässt, staunt Rezensentin Petra Ahne. Vom geschlechtswechselnden Clownfisch über Bonobos, die Stressabbau "durch Fummelei" betreiben, bis zu Pinguinen, die "Sex gegen Steine" tauschen - überall wird klar: Diversität ist evolutionärer Vorteil, erfahren wir. Lents' Stärke liegt laut der Kritikerin darin, biologische Vielfalt nicht als Abweichung, sondern als Strategie zu deuten: "Je sozialer eine Tierart, desto geschlechtsunabhängiger ihre sexuellen Aktivitäten." Besonders überzeugend ist für die Rezensentin sein Plädoyer gegen die Vorstellung von Heterosexualität als einzig natürliche Form. Weniger gelungen findet sie die vereinfachten Beispiele aus der Menschenwelt - doch das mindert nicht die Kraft dieses klaren, faktenreichen Buchs.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.07.2025
Rezensent Michael Lange lobt Nathan H. Lents dafür, dass er biologische Vielfalt nicht mit Ideologie, sondern mit Wissenschaft erklärt. Besonders fasziniert ihn die Beschreibung tierischer Lebensmodelle jenseits der menschlichen Norm: Clownfisch-Männchen etwa werden zu Weibchen, wenn das dominante Weibchen stirbt - ein Wechsel, der zeigt, wie "von Natur aus flexibel" Geschlecht sein kann. Auch bei Bonobos ist Sex keine reine Fortpflanzungssache, sondern Alltag mit wechselnden Partnern und Geschlechtern, lesen wir. Lents bezieht solche Beispiele auf die Evolution: Nur wer Diversität zulässt, kann auf Veränderungen reagieren. Auch Menschen seien nie nur männlich oder weiblich, lernt der Kritiker, und hätten ein breites Spektrum an Eigenschaften und Vorlieben. Die Botschaft ist laut Lange klar: Vielfalt ist kein Fehler, sondern das Erfolgsrezept der Natur.