Nagib Mahfus

Der Rausch

Roman
Cover: Der Rausch
Unionsverlag, Zürich 2003
ISBN 9783293003187
Gebunden, 187 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Omar al-Hamzawi ist erfolgreicher Anwalt in Kairo, fünfundvierzig, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Eines Tages wird ihm bewusst , dass er eingeschlossen ist in einem schalen Alltag voller Kompromisse. Er wirft das bürgerliche Leben ab und verlässt die Seinen. Rücksichtslos stürzt er sich in ein Leben ohne Schranken, jenseits aller Konventionen und Tabus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004

Nicht sein bestes, aber eines seiner "interessantesten" Bücher hat Nagib Machfus mit dem Roman über den Ägypter Omar auf den Markt gebracht, findet Stefan Weidner. Der Beinahe-Dichter, Rechtsanwalt mit vergessenen revolutionären Träumen, die sich eines Tages Bahn brechen und den Familienvater erst ins Kairoer Nachtleben und dann in die Einsamkeit verschlagen, sei den Problemgestalten der deutschen Literatur aus den 60-er Jahren "ähnlich". Den Unterschied und auch den Makel des Buches mache das Ende der Geschichte aus, wo Omar zum Mystiker wird und Machfus "sich samt seinem Helden in die erzählerische Sackgasse" manövriert. Dennoch ein lesenswertes Buch, findet der Rezensent, da das "glühende Plädoyer" für Freundschaft und Familie von einer "Humanität, die nicht nur Araber heute dringend benötigen", zeugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2004

Dieser Roman, der bereits 1965 im ägyptischen Original erschien, hat Martin Z. Schröder keine Freude gemacht, was er maßgeblich der deutschen Übersetzung anlastet. Das Buch handelt von einem reichen Anwalt, der seines Lebens im Luxus zunehmend überdrüssig und schließlich wahnsinnig wird, erzählt der Rezensent aus dem Inhalt. Allerdings will er sich über den Roman gar kein rechte Urteil erlauben, denn er meint, die Übersetzung ins Deutsche von Doris Kilias stehe "wie eine Mauer davor" und gebe ihm keine überzeugende "Stimme". Im Folgenden macht sich Schröder akribisch daran, zu zeigen, wo die Übersetzerin sich Vergehen, wie der Verwendung von Anglizismen aus den 80er Jahren und "holpernden" Satzkonstruktionen schuldig gemacht hat. Der Rezensent geht so weit, dass er findet, Machfus' Roman entziehe sich bei dieser Übersetzung der "Beurteilung" und er meint am Ende giftig, Übersetzern, die "zu viel fernsehen" dürften gar keine Literatur von Rang in die Finger bekommen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2003

Enttäuscht äußert sich Renate Wiggershaus über einen erst jetzt auf Deutsch erscheinenden Roman von Nagib Machfus, der in eine Schaffensphase des ägyptischen Romanciers in den 60er Jahren gehört, als sich Machfus kritisch mit der marxistisch verbrämten Diktatur des Nasser-Regimes auseinandersetzte. Diese Auseinandersetzung fällt für Wiggershaus literarisch betrachtet recht holzschnittartig aus. Exemplarisch verfolge Machfus den Lebenslauf dreier befreundeter Männer aus der Studienzeit, die sich auf unterschiedliche Weise dem Regime angepasst haben, fasst die Rezensentin zusammen. Weil sie den Anpassungsprozess spüren, jagten sie rauschhaft und ohne langfristigen Erfolg dem Glück hinterher, verrät Wiggershaus und fühlt sich von der "düsteren Ausweglosigkeit" des Romans wenig berührt. Auf viel zu plakative Weise verkörperten die drei Männer verschiedene Prozesse der Anpassung, begründet sie ihre Kritik. Lebendiger scheinen ihr die Frauen geraten, die allerdings nur am Rande auftreten, jedoch als einzige so etwas wie Hoffnung und Offenheit verkörperten.