Aus dem Japanischen von Oscar Benl. Geboren in der Hauptstadt des damaligen Reiches, dem heutigen Kyoto, wächst Prinz Genji mit einem ausgefeilten höfischen Zeremoniell auf. Insbesondere Musik und Dichtung verleihen scheinbar Alltäglichem den Glanz der Ewigkeit. So verzaubert der hochgebildete, empfindsame Mann die Frauen von Jugend an mit einem gelungenen Bogenschuss oder einem geistvollen Gedicht zur rechten Zeit. Selbst Machtintrigen können ihm nichts anhaben. Erst als seine Favoritin stirbt, verlässt Genji der Lebensmut.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2015
Mit Nachdruck empfiehlt Rezensent Ludger Lütkehaus die neu herausgegebene "Geschichte vom Prinzen Genji", zwischen 1001 und 1006 geschrieben von der dem Fujiwara-Clan angehörenden Hofdame Murasaki Shikibu, die er schlichtweg für ein "Meisterwerk" hält. Denn nicht nur die Übersetzung Oscar Benls oder die bibliophil schöne Neuausgabe sind grandios, sondern auch Shikibus Erzählung, findet der Kritiker: Er liest begeistert die Geschichte des zarten kaiserlichen Prinzen Genji, der sich in Kyoto die Tage mit Schlaf, die Nächte aber als Virtuose der Liebeskünste in Boudoirs und mit dem Studium des aus China überlieferten Buddhismus vertreibt. Verzaubert folgt der Kritiker diesem unpolitischen Schöngeist, entdeckt in dem Werk manch Übersinnliches, vor allem aber ein mit beeindruckendem psychologischen Vermögen geschildertes Figurenensemble und würdigt das Buch schließlich als wunderbares Werk, das Schönheit und Trauer vereint.
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