Mit den Prophetenlesungen im Anhang. Herausgegeben und revidiert von Annette Böckler. Mit einem Vorwort von Rabbiner Tovia Ben-Chorin. Der Religionsphilosoph Moses Mendelssohn (1729-1786) steht als markante Gestalt des jüdischen Geisteslebens in Deutschland an der Wende zur Aufklärung. Sein Beitrag zu kultureller und geistiger Integration der jüdischen Bürger eines deutschen Nationalstaates war 1783 die erste Übersetzung der Fünf Bücher Moses ins Hochdeutsche. Literarische Qualität und poetischer Klang vereinigen sich hier mit großer Treue zur jüdischen Tradition. Viele Übersetzungsentwürfe späterer Zeiten bauen darauf auf, was Mendelssohn so einzigartig gelang: dem Rhythmus und Charakter des hebräischen Originals eine ausgewogene deutsche Gestalt zu verleihen. Diese Leistung wird durch eine sprachliche Revision für den heutigen Gebrauch neu erschlossen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2002
Dies war die erste jüdische Übersetzung der Tora ins Deutsche, vorgenommen hat sie der jüdische Aufklärungsphilosoph Moses Mendelssohn - und zwar ausdrücklich - spätestens an der Verwendung hebräischer Buchstaben wird das offensichtlich - für die jüdischen Gemeinden. Mendelssohn, so der mit "sab" zeichnende Rezensent, wollte den Text so dem "ausschließlichen liturgischen Gebrauch" entreißen, entsprechend scharf wurde er von orthodoxen Rabbinern kritisiert. In der Neuausgabe jedoch empfiehlt der Zürcher Rabbiner Tovia Ben-Chorim ausdrücklich den Gebrauch in "progressiven Gemeinden". Der Rezensent betont die Wirkung der Übersetzung: Mendelssons Deutung des Tetragramms als "der Ewige" sei durchaus "sprach- und traditionsbildend" gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.12.2001
Rolf-Bernhard Essig feiert in seiner Rezension diese Neuausgabe der Tora-Übersetzung von Moses Mendelssohn aus dem Jahr 1783, die in ihrer Wirkung mit Luthers Bibel verglichen werden könne. Essig erinnert daran, dass diese erste Übersetzung der fünf Bücher Mose ins Hochdeutsche wie Luthers Biblia Wege abseits der Orthodoxie bahnte, sprachbildende Kraft bewies und selbstverständlich von Rabbinern in Prag, Frankfurt und Hamburg als "gefährlich" verurteilt wurde. Die Herausgeberin Annette Böckler hat diese Übersetzung nun eingehend revidiert, die Hebräischen Letter in lateinische Buchstaben übertragen, und Grammatik, Vokabular und Orthografie modernisiert. Dabei ist es ihr nach Essigs Meinung weitgehend gelungen, Mendelssohns Charakter und Sprachstil zu bewahren sowie die "Balance zwischen Altem und Neuem, liturgischem und privatem Zweck, philologischer Treue und theologischer Korrektheit" zu halten.
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