Das Magazin zur Erfahrungsseelenkunde (1783-1793) ist die älteste deutsche psychologische Zeitschrift. Sie richtete sich an Gelehrte und Laien. Von dem Schullehrer und Schriftsteller Karl Philipp Moritz begründet und von Moses Mendelssohn und weiteren namhaften Vertretern der Berliner Aufklärung unterstützt, war es Ziel des Magazins, psychisch auffälliges und sozial deviantes Verhalten zu beschreiben und zu analysieren. Die vorliegende kommentierte Anthologie enthält jene von den Zeitgenossen lebhaft diskutierten Fälle, die in die psychiatrische Kasuistik Eingang fanden und noch heute von der Literaturwissenschaft als Grenzfälle zwischen Krankengeschichte und Novelle gewürdigt werden. Zum Kreis der ausgewählten Autoren zählen unter anderem die Ärzte Marcus Herz und Christoph Wilhelm Hufeland, die Philosophen Moses Mendelssohn und Salomon Maimon, die Theologen Johann Joachim Spalding und Johann Gottlieb Picht, die Juristen Carl George Gottfried Glave und Ludwig Albert Schubart sowie der holländische Gelehrte Rijklof Michael van Goens.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2015
Lothar Müller sieht in der von Stefan Goldmann herausgegebenen Anthologie eine "Fundgrube" für all jene, die der Alltag im Zeitalter der Aufklärung interessiert. Im Mittelpunkt stehe dabei das "Magazin zur Erfahrungsseelenkunde", das der Berliner Spätaufklärer und "Anton Reiser"-Autor Karl Philipp Moritz Ende des 18. Jahrhunderts verantwortete. Die nun erstmals wissenschaftlich kommentierte Sammlung von psychologischen Grenzfällen habe seinerzeit für Aufsehen gesorgt, weiß Müller, der Kritiker selbst hebt das "Wechselspiel von Literatur und Anthropologie" hervor, das die verbürgten Geschichten um religiöse Schwärmereien und die Wahnfantasien von Theologiestudenten auszeichnet.
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