Mladen Savićs Poesie, immerzu auch persönlich, ist auf eine erfrischende Art politisch: die Ohren schärfend für den falschen Singsang unserer Zeit, und Augen öffnend für die Möglichkeit echter Menschwerdung. Was der Mensch brauche, sei zärtlicher Umgang, so Savić, und zwar auf vielen Ebenen. Seine Verse schwingen zwischen herber Kritikund feinsinniger Melancholie. Seine Gedichte, unzeitgemäß, wie sie sind, dringen dabei in die tieferen Schichten menschlicher Erfahrung vor und gebender Suche nach Wahrheit und Sinn eine kraftvolle Stimme. So lässt sich dem allgegenwärtigen Lärmder Gegenwart, dem Tinnitus jener hohen Kultur voller niedriger Motive, wenigstens literarisch für ein Weilchen entfliehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.07.2025
Rezensent Björn Hayer beobachtet die Rückkehr des Reims in der Lyrik der Gegenwart: Wer eine Welt in Unordnung und Chaos beschreiben will, nutzt den Reim, wie auch Mladen Savic, für Ordnung und Kontrolle. Hayer fühlt sich mit Savics bissigen Beobachtungen an Brecht erinnert, es geht um Staaten, sie "wollen das Beste nur,/trotz Politpyromanie nebst ihrer Leitkultur." Recht schnell nutzt sich die Wut der "vollends marxistischen Poesie" ab, befindet der Kritiker, aber zum Protestieren eignen sich die Gedichte ihm zufolge gut.
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