Aus dem Englischen von Monika Baark. Acht Frauen. 48 Stunden Zeit, die eigene Geschichte umzuschreiben.
Jahrelang haben sie versucht, mit dem, was geschehen ist, zurechtzukommen. Jetzt haben die Frauen einer abgeschieden lebenden Gemeinschaft die Gelegenheit, alles anders zu machen. Und so ergreifen sie das Wort. Sollen sie bleiben oder gehen? Bleiben sie, dann müssen sie nicht nur angehört werden, sondern auch verzeihen. Gehen sie, müssen sie in einer ihnen gänzlich unbekannten Welt den Neuanfang wagen.
Mirian Toews greift in ihrem Roman "Women Talking" die so genannten "ghost rapes" auf, bei denen in der bolivianischen Mennonitengemeinde Manitoba 130 Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden, und zwar auch noch nachdem die angeblichen Täter zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Einen "artigen Opfer-Porno" à la "The Handmaid's Tale" sollte man sich von Toews nicht erwarten, baut Rezensentin Eva Behrendt etwaigen Erwartungen vor, die kanadische Autorin versammelt aus zwei Familien drei Generationen von Frauen zu einem selbstaufklärerischen Diskurs um die eigene Bedeutung und den Schutz der Kinder. Mitunter scheint Behrendt die Konstruktion ein wenig umständlich, nicht alles überzeugt sie literarisch, auch die Figur des Protokollanten August Epps findet sie fragwürdig. Doch insgesamt ist sie sehr beeindruckt von diesem tiefgründigen Einwurf in Sachen Patriarchat und fragwürdiger Religionsfreiheit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 05.03.2019
Sonja Hartl liest mit Betroffenheit diesen Roman, in dem die kanadische Autorin Miriam Toews den Missbrauch und die Vergewaltigung von Frauen in einer mennonitischen Gemeinde in Bolivien literarisch verarbeitet. Die Konstruktion der Aussprache, zu der sich die Frauen zusammenfinden, findet die Rezensentin etwas bemüht, und auch die Ausarbeitung der Figuren erscheint ihr recht schematisch. Aber am Ende erkennt Hartl bewegt, dass Männer nichts so sehr fürchten wie "Frauen, die miteinander reden und sich verbünden".
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