Marieke Lucas Rijneveld

Kalbskummer. Phantomstute

Gedichte
Cover: Kalbskummer. Phantomstute
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518430903
Gebunden, 223 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Ruth Löbner. Marieke Lucas Rijnevelds lyrisches Universum ist unnachahmlich und doch so vertraut. Seine Gedichte sind bevölkert von Fröschen, Schmetterlingen und Seesternen, von Vätern, denen schwierige Fragen gestellt werden - "Wo kommen Kinder her, wenn Eltern sich nie küssen?" -, von unsterblichen Großmüttern und Jugendlichen auf ihrem Weg zu einer belastbaren Identität. Und doch scheint nichts belastbar in diesem Kosmos aus zarten Begegnungen und erschütternden Einsichten über Leben und Ableben: Erheiterndes wird tragisch, Statisches kommt ins Wanken, das Unsichtbare greift unvermittelt an. Diese erdigen wie geerdeten Gedichte erzeugen Szenen einer éducation sentimentale: Das Aufblühen der Sexualität und animistische Tierkörper treffen hier auf religiöse Maximen und magisches Denken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2022

Hymnisch bespricht Rezensent Christian Metz die beiden nun in einem zweisprachigen Band auch in deutscher Übersetzung erschienenen Gedichtbände von Marieke Lucas Rijneveld. Rijneveld, in den Niederlanden als Frau geboren, heute als Mann gelesen und für ihren Roman "Was man sät" mit dem Booker-Preis ausgezeichnet, debütierte im Alter von 25 Jahren als Lyrikerin, klärt der Kritiker auf. Schon früh ging es in den Gedichten um geschlechtliche Identität, aber auch um Tod und Herkunft, fährt Metz fort, der sich von Ruth Löbners einfühlsamer Übersetzung sachte in den Rijneveld-Kosmos ziehen lässt. Wie Text-Gemälde auf weißen Leinwänden erscheinen ihm die nicht selten an Prosa angelehnten Langverse, die oft eigenwillig und "schroff" wirken, meist aber klingen, als wäre Rijneveld "als Kind in Bibeltexten gebadet worden". Etwa, wenn Rijneveld hier in Anspielung an den Froschregen aus der Johannes-Apokalypse über "Froschtennis" dichtet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2022

"Grotesk" findet es Rezensent Carsten Otte, dass sich ausgerechnet an Marieke Lucas Rijneveld die Debatte, wer Amanda Gormans Inaugurationsgedicht angemessen übersetzen sollte, entfacht hatte: Schließlich ist Rijenveld - lange Zeit genderfluid und seit diesem Jahr aufs männliche Geschlecht festgelegt - doch selbst jemand, der aus einer marginalisierten Perspektive heraus schreibt und denkt. Dieses Umkreisen der Identitäten betrifft auch die vorliegenden Gedichte, im niederländischen Original eigentlich zwei Bände und im Abstand von vier Jahren verfasst: Rijenveld wählt eine hochartifizielle Form, bandelt mit Prosa an, legt sich nicht fest. Zu erleben sind mitunter "furios ausgedachte Szenen", oft sind die Gedichte "berückend schön", auffällig oft handeln sie von Tieren, insbesondere Schnecken, die geschlechtlich ebenfalls nicht festgelegt sind. Bedauerlich findet der Kritiker allein, dass die Übersetzung des Bandes nicht gut kommentiert wurde - zumal die niederländischen Originaltexte beiliegen und schon im Schriftbild diverse Unterschiede ins Auge stechen. Mit den Fragen, die sich ihm da stellen, fühlt sich Otte alleingelassen.

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