Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt. Ein Dorf in Nordschweden 1852. Jussi entflieht seinem Elternhaus, wo Gewalt, Hunger und Alkohol regieren, und wird von dem protestantische Geistlichen Laestadius unter seine Fittiche genommen. Der vielseitig gebildete Erweckungsprediger lehrt den völlig vernachlässigten samischen Jungen nicht nur lesen und schreiben, er teilt mit ihm auch seine Begeisterung für die heimische Flora und Fauna. Als ein Mädchen tot im Wald gefunden wird - allem Anschein nach das Opfer eines Bären - geraten die Dorfbewohner in Aufruhr. Angestachelt von der Belohnung, die der Gendarm ausgelobt hat, locken sie das Tier in eine Falle und töten es. Nur Laestadius und Jussi glauben nicht, dass der Bär der Schuldige ist, denn die vermeintlichen Bärenspuren waren gefälscht. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ahnen die beiden nicht, in welcher Gefahr sie selbst schweben.
Dieses Buch kann Rezensentin Katharina Granzin sowohl als historischen Roman als auch als Krimi empfehlen. Ihr zufolge lässt Mikael Niemi den nordschwedischen Priester Læstadius darin einen fiktiven Mordfall aufklären, den seine samische Gemeinde fälschlicherweise einem Bären anlastet. Beeindruckt stellt die Kritikerin fest, dass der Autor sich nicht nur intensiv mit der desolaten Situation der samischen Bevölkerung in Norrland um 1850 vertraut gemacht haben muss, sondern auch frühe Forensik-Techniken studiert hat. Den Einfall, den historischen Kopf einer pietistischen Erweckungsbewegung zum Detektiv zu machen, findet Granzin so brillant wie unterhaltsam. Dass der einflussreiche Prediger mit seinen wissenschaftlichen Argumenten zu dem Mordfall aber nicht zu der "bornierten Obrigkeit" durchdringt, spiegelt in den Augen der Rezensentin die Willkür des schwedischen Staates um die Mitte des 19. Jahrhunderts.
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