Lisa Ridzen

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Roman
Cover: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
btb, München 2026
ISBN 9783442762965
Gebunden, 384 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann. Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeinigen so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.01.2026

Lisa Ridzén legt hier, findet Rezensentin Dina Netz, einen starken Debütroman vor. Auf der Basis von Notizen des Pflegeteams, das sich um ihren Großvater kümmerte, erzählt sie vom 89-jährigen Bo, der im ländlichen Nordschweden wohnt. Das Buch ist aus Bos Perspektive verfasst, enthält als Einschübe jedoch auch nüchterne Notizen der Pflegenden. Bo gerät mit seinem Sohn in Konflikt, weil letzterer meint, der alte Mann könne sich nicht mehr um seinen Hund kümmern. Es geht in dem Buch darum, wie Bo damit zurechtkommt, dass er immer weniger eigenständig leben kann, außerdem werden Männlichkeitsbilder unter die Lupe genommen. Manchmal hätte sich Ridzén etwas kürzer fassen können, findet Netz, die insgesamt jedoch sehr angetan ist von einem Buch, das nicht zuletzt ein "bewegendes Plädoyer für Empathie" ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2026

Rezensent Matthias Hannemann liest Lisa Ridzens Roman über einen sterbenden alten Mann mit ein wenig Beklemmung. Erwartet uns das nicht alle? Dass eine junge Autorin sich diesem Thema mit so viel Einfühlung annimmt und dabei nicht ins Sentimentale stürzt, findet Hannemann enorm. Die Ich-Perspektive funktioniert, versichert er. Ebenso die Ausgewogenheit zwischen Beschreibung und Emotion. Vor allem aber bestechen die Klarheit und die Wahrheit in den Sätzen für Hannemann. Die tägliche Umsorgung durch die Pflegerinnen, die Sehnsucht nach Wärme, die Angst, Scham und Wut, all das ist in dem Text erstaunlich überzeugend aufgehoben, meint Hannemann.

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