Midas Dekkers

Von Larven und Puppen

Soll man Kinder wie Menschen behandeln?
Cover: Von Larven und Puppen
Karl Blessing Verlag, München 2003
ISBN 9783896672223
Gebunden, 350 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Die meisten Bücher über Kinder werden von Menschen geschrieben, die viel für Kinder übrig haben und von Biologie wenig wissen", sagt Midas Dekkers, "und das Ergebnis ist allerlei pädagogischer Unsinn". Dekkers wendet die Metamorphose, wie sie uns in der Natur vor allem aus dem Insektenreich vertraut ist, als Denkmodell auf den Menschen an: Das Kind unterscheidet sich vom Erwachsenen so sehr wie die Raupe vom Schmetterling - es liegen Welten zwischen diesen Wesen, deren Interessen sich manchmal decken, aber meistens eben nicht. Ein Kind ist kein kleiner Mensch, sondern eine Larve, die ihre wesentlichen Aufgaben - (fr)essen und wachsen - perfekt beherrscht. In der Natur folgt auf das Larvenstadium die Ruhephase der Verpuppung, beim Menschen die Katastrophe der Pubertät. Ob man Larven und Puppen erziehen kann? Kaum. Aber man kann ihnen dabei helfen, sich zu Menschen zu entpuppen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2003

Es hat ganz den Anschein, als hätte sich Eugenie Bott von den Theorien dieses niederländischen wissenschaftlichen "Starjournalisten" wider Willen faszinieren lassen, auch wenn sie abschließend nüchtern resümiert, dass Dekkers es zwar versteht, das "Verständnis für menschliche Entwicklungsprozesse" zu fördern, seine "vorgetragene Biologie jedoch nur eine bekannte Kinderpsychologie ergänzt". Ausgehend von der Forderung, Kinder nicht wie Erwachsene zu behandeln, da sie es nicht sind, entwickele der Autor ein vertracktes System, hinter dem zumindest für Dekkers selbst noch ein "Ordnungssystem" zu erkennen sei. Anstatt eindeutig zu erklären, seufzt die prinzipiell nicht abgeneigte Rezensentin, ziehe der Autor es vor zu jonglieren: mit "Worten, Bildern, Beispielen und luftigen Drahtseilakten der Theorien". Hartnäckig trete er für ein Vernachlässigen der Erziehung ein. Bott pflichtet ihm bei: "Ach, würden wir doch nur begreifen, was wir zerstören, nur weil wir glauben, es durch Besseres ersetzen zu müssen..." Allerdings merkt die Rezensentin noch an, dass Dekkers zwar Distanz empfehle, sie aber selbst beständig vermissen lasse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2003

Annette Mentrup jubelt: Endlich erkläre jemand, wie einfach die Entwicklung des Menschen ist - zuerst "fressen, fressen", dann "fortpflanzen, fortpflanzen" und schließlich die panische "Suche nach dem Reihenhäuschen mit Garten". Aber hauptsächlich gehe es in dem Buch um das unermüdlich Essen und Wissen in sich reinstopfende Kind, dessen Wesen sich der niederländische Biologie Midas Dekkers auf nicht sehr schmeichelhafte, aber unterhaltsame Weise nähere. Nach der Erkenntnis, dass der Mensch eigentlich nur ein Tier sei, liege der logische Schluss nahe, dass das Kind einfach "eine Larve" sei. Und die muss sich entwickeln, was Dekker dann auch reichlich und politisch unkorrekt mit "eigenen Evidenzen" erkläre. Ein Dilemma bei der Entwicklung von der Made zum Schmetterling sei zum Beispiel, dass mit acht Jahren der Wissenshunger abnehme, berichtet Mentrup. Und genau dann wollten "vollkommen überforderte Lehrkräfte" dem halb entpuppten und nicht mehr Wissen fressenden Wesen Fremdsprachen beibringen: völlig falsch und vergebens. Ein bisschen Ratgeber für Kindererziehung sei das Buch also auch, dem die Rezensentin aber erleichtert das Zeugnis ausstellt, mit einer gehörigen Portion Selbstdistanz ausgestattet zu sein. Nur so könne man sich dann auch vorstellen, dass diese "ironische Achterbahnfahrt kreuz und quer über den Jahrmarkt der Entpuppungen" überzeugend und unterhaltsam sei.
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