Michel Houellebecq

Karte und Gebiet

Roman
Cover: Karte und Gebiet
DuMont Verlag, Köln 2011
ISBN 9783832196394
Gebunden, 400 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Jed Martin ist Künstler. In seinen ersten Arbeiten stellt er Straßenkarten und Satellitenbilder gegenüber, zum Durchbruch verhelfen ihm jedoch Porträts. Einer der Porträtierten: "Michel Houellebecq, Schriftsteller". Doch dann geschieht ein grausames Verbrechen: ein Doppelmord, verübt auf so bestialische Weise, dass selbst die hartgesottenen Einsatzkräfte schockiert sind. Die Kunst, das Geld, die Arbeit. Die Liebe, das Leben, der Tod: Davon handelt dieser Roman...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2011

Verhalten ist das Lob, das Rezensent Thomas Laux dem preisgekrönten Roman "Karte und Gebiet" entgegenbringt. Michel Houellebecq, von dem die Welt und der Rezensent anderes gewöhnt sind, überrasche hier sprachlich und inhaltlich mit Zurückhaltung. Der Aufstieg des Pariser Künstlers Jed Martin zum absoluten Star der Pariser Kunstszene wird behandelt, seine Beziehung zur schönen Olga und schließlich seine Begegnung mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq, wie der Rezensent zusammenfasst. Letztere stellt für Laux, der in Jed Martin ein Alter Ego Houellebecqs erkennt, einen Höhepunkt des Romas dar, denn "in dieser kokett inszenierten mise en abime, einer abgefeimten Show filigraner Eitelkeiten" lerne man wohl mehr über den echten Michel Houellebecq als aus jeder Biografie. Die eine oder andere Durststrecke, die Laux durchlitten hat, wird für ihn hierdurch zumindest teilweise wettgemacht. Unterm Strich hat die Lektüre den Rezensenten einigermaßen gut unterhalten, wenngleich er nicht verhehlt, dass er sich mehr erhofft hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2011

Mit seinem Roman "Die Karte und das Gebiet" hat sich Michel Houellebecq zwar den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs erschrieben, nicht jedoch die Gunst der Rezensentin Ines Kappert. Ihr Urteil über das "erwartbar nihilistische" Buch legt nahe, dass sie die Sinnentleerung des kapitalistischen Kulturbetriebs hier gleichermaßen thematisiert wie perpetuiert findet. Houellebecq greife die bekannten Motive seines bisherigen Sujets auf, ohne an die "Bissigkeit" seiner früheren Romane heranzureichen: Alternde, abgeklärte Männer, die auf rätselhafte Weise dennoch das Interesse der nicht ganz so abgeklärten (sprich: naiven) Damenwelt zu wecken vermögen, was temporäre Zerstreuung aber wenig Sinn stiftet. Schulterzuckend nimmt Kappert zur Kenntnis, dass im Finale dieses Abgesangs auf Kunst, Kultur und Kritik die Vegetation triumphiert. So verübelt die sichtlich enervierte Rezensentin Houellebeqc vor allem eines: ihr mit geballten Banalitäten die Zeit gestohlen zu haben. Ihren Lesern empfiehlt sie, "den alten Sack getrost der Pflanzenwelt zu überlassen."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Nein, so richtig ernst nehmen kann Rezensentin Iris Radisch weder Roman noch Autor. In diesem Buch über den Künstler Jed Martin und den Schriftsteller Houellebcq, die sich beide von der Welt zurückziehen, erkennt sie den boshaften Autor der "Elementarteilchen" nicht wieder. Altersmilde ist an die Stelle des einstigen Kontrollwahns und der Frauenverachtung getreten, konstatiert sie spöttisch. Das macht ihr den Autor nicht sympathischer, denn was bleibt am Ende? "Sentimentaler Lustekel an der Welt". Man könnte fast glauben, sie hält Houellebcq inzwischen für senil.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2011

Selbstironie gemischt mit einer guten Portion Abgeklärtheit nehmen Harald Jähner sehr für Michel Houellebecqs jüngsten Roman ein, und damit hat der französische Autor sogar nicht wenige erklärte Houellebecq-Gegner für sich gewonnen, wie der Rezensent weiß. In seinem Künstlerroman, in dem der Maler Jed Martin mit fotografierten Ausschnitten von Michelin-Regionalkarten zu Ruhm gelangt, lässt der Autor die Figur Michel Houellebecq auftreten, ein Schriftsteller, der ein wenig stinkt, sehr eigenbrötlerisch ist und auf Seite 266 mitsamt seinem Hund zerstückelt aufgefunden wird, erklärt der Rezensent. Das wird "Houellebecq-Hasser" erfreuen und andere amüsieren, glaubt Jähner. In der Figur des Malers sieht er zudem ein ironisches Alter ego des Autors, der das Bedürfnis nach Authentizität befriedigt und damit "Surrogate des wahren, natürlichen Lebens" liefert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011

Ganz klar ein Meisterwerk und "ein großes Buch über die Gegenwart" ist Michel Houellebecqs neuer, aber bereits mit dem Prix Goncourt  ausgezeichneter Roman für den Rezensenten Helmut Böttiger. Und er ist dabei gar nicht zynisch, wie Böttiger meint, sondern tiefgründig, ohne Ironie und voll "postmodernem Ernst". Begeistert ist Böttiger auch vom Anspielungsreichtum dieses Künstlerromans, in dem Houellebecq den Kunstbetrieb und seine Mechanismus seziert: Ausgerechnet den Maler Jed Martin, der sozial viel zu unterentwickelt ist, um sich vom Markt korrumpieren zu lassen, hievt diese Maschinerie an die Spitze, wobei ihm als Doppelgänger ein mit allen Wassern des Geschäfts gewaschener Schriftsteller namens Michel Houellebecq zur Seite gestellt wird. Die Möglichkeit künstlerischer Authentizität wird hier zum großen Leseglück des Rezensenten ebenso meisterlich durchgespielt wie die "Utopie einer Liebe", in die Houellebecq - ganz gegen seine Gewohnheit - Jeds Affäre zur langbeinigen Männerfantasie Olga münden lässt. Und dass sich Houellebecq die Mechanismen des Kunstbetriebs unter "kapitalismuskritischen" Vorzeichen vorknöpft, trägt nicht minder zur Begeisterung des Rezensenten bei, der prompt Zolas "J'accuse" als Vergleichsgröße heranzieht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Restlos begeistert klingt Sandra Kegel von diesem jüngsten Roman des umstrittenen Meisters aus Frankreich Michel Houellebecq. Dieser lässt darin einen sehr versatilen Künstler mit Namen Jed Martin auftreten, der einen Freund hat mit Namen Michel Houellebecq. Der allerdings stirbt im Verlauf des Romans. Das zeige einerseits, dass Houellebecq alle Register des postmodernen Romans zu ziehen versteht. Andererseits handhabe er diese allerdings mit einer Souveränität und einem Ernst, die auf neu gewonnene "Weisheit" schließen ließen. Den Vorwurf, Houellebecq habe sich mit diesem Buch, für das er den Prix Goncourt gewann, entschlossen Richtung Mainstream bewegt, lässt Kegel nicht gelten. Ungeheuer vielfältig und reich an Themen und Formen sei vielmehr das Buch. Gerade die postkapitalistische Utopie, die er zum Schluss an die Wand malt, zeugt für sie von der neuen Statur Houellebecqs.
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