Herausgegeben von P. Gente, H. Paris und M. Einmann. Aus dem Französischen von´W. Seitter, U. Raulff u. a. "Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, das man am Anfang nicht war." Der maskierte Philosoph, Andere Räume, Die Macht und die Norm, Räderwerke des Überwachens und Strafens. Interview, Das Abendland und die Wahrheit des Sexes, Nein zum König Sex, Ein ganz harmloses Vergnügen, Eine Ästhetik der Existenz, Pierre Boulez oder die aufgerissene Wand, Raymond Roussel. Ein Vorläufer unserer modernen Literatur, Der Ariadnefaden ist gerissen, Der Anti-Ödipus. Eine Einführung in eine neue Lebenskunst, Die Sorge um die Wahrheit.
Was macht man nur, wenn man sich zum ersten Mal mit Michel Foucault beschäftigen will, jenem französischen Meisterdenker, dem Vater der Mikrosoziologie der Macht, fragt sich Jörg Lau und vergleicht die Werke Foucaults mit einem Truthahn, dessen appetitliches Fleisch dem hungrigen Gaumen in allen Nuancen entgegen lächelt: soll man erst vom hellen oder dunklen Fleisch probieren? Foucaults Schriften haben für den Rezensenten eine seltene Bandbreite von Beleuchtungen: "In seinen Denkbildern, Panoramen, Historienbildern sind alle Abstufungen vorhanden - von der Morgenröte der Menschheit über das gleißende Licht eines südlichen Mittags bis zum schwärzesten Schwarz gegenaufklärerischer Schauerromantik". Da ist es gut, meint Lau, mit einem Auswahlband in dieses Spektrum einzutauchen. Abgelegte Reden, Interviews, Rezensionen und Vorworte enthält der vorliegende Auswahlband. Lesbares und Antiquiertes, denkt der Rezensent. So ganz erträglich findet er Foucault rundum nicht. Manches an seiner Rhetorik hält Lau für "automatisierten Avantgardekitsch". Zu viel wird ihm bei Foucault "erschüttert", "gebrochen" und "gesprengt", um das in Machtstrukturen befangene Individuum zu eigenem Denken zu führen. Aus manchen Schriften liest Lau auch die Verklemmung eines "spätbürgerlichen Intellektuellen" heraus, dessen Antifaschismus ihm seltsam nachgeholt erscheint. Doch auch Befremdlich-Subversives hat Lau bei Foucault entdeckt. Eine Bandbreite eben - wie beim Truthahn zu Thanksgiving.
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