Am 1. November 1918 begann mit dem Kieler Matrosenaufstand die Revolution gegen den Kaiser und seinen Krieg. Sechs Tage später rief Kurt Eisner in München die Republik aus. Nach seiner Ermordung proklamierte der Arbeiter- und Soldatenrat am 7. April 1919 die Bayerische Räterepublik. Anfang Mai wurde die Revolution durch die von Berlin eingesetzten Freikorps blutig niedergeschlagen. Damit wurde die Grundlage für den deutschen Faschismus gelegt. Michaela Karl zeichnet die oft gegensätzlichen Lebensgeschichten und Motivationen der Handelnden nach. Jenseits aller Parteiideologien ist die Räterepublik für sie ein Beispiel, wie Menschen Geschichte machen und sich ihr freier Wille über "objektive" Gegebenheiten und Grenzen hinweg setzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2008
Schöne Idee, meint Willi Winkler zu dieser Populärversion einer Habilschrift über die Münchener Räterepublik. Dem soldatischen Nachwuchs in Deutschland würde Winkler das Buch nur allzu gern als Marschlektüre mitgeben. Zumal Michaela Karl die revolutionäre Gemengelage übersichtlich in Einzelporträts der Protagonisten auflöst: Natürlich Erich Mühsam und Ernst Toller, aber auch, Winkler stellt das lobend fest, die Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann. Deutlich weniger gefällt Winkler die sprachliche Ausarbeitung der von der Autorin durchaus erschöpfend referierten historischen Begebenheiten. Genauer: Dem Rezensenten stehen die Haare zu Berge, lässt er sich diese "blasseste", höchstens an Floskeln reiche Referentenprosa auf der Zunge zergehen. Lesbarkeit und Genauigkeit gehen anders, findet Winkler und rät der "Frau Professor" reichlich mokant, das Ganze noch einmal durchzuarbeiten.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…