Aus dem kanadischen Englisch von Heiko Lehmann. Wer ist Micah Mushmelon? Als Schraga ihn vor dem koscheren Comicladen umrennt, weiß er nicht, mit wem er es zu tun bekommt. Als Neunjähriger mit Hochschulabschluß schon Synagogenvorsteher in Brooklyn, New York, einer der verdientesten Vorkämpfer für die Einhaltung der heiligen Gesetze, das ist Micah, der kindliche Talmudist. Weder der Skandal um koschere Sauerkirschbonbons, die mit Schweinefußgelee versetzt worden sind, noch die jahrhundertealte Kontroverse zwischen Nominalisten und Realisten stellen seinen Scharfsinn vor unlösbare Probleme. Doch selbst einer, der sein ganzes vorgeburtliches Wissen nie vergessen hat, benötigt angesichts der Machenschaften eines gerissenen Ketzers unbedingt Unterstützung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.01.2006
Hellauf begeistert ist Rezensentin Yvonne Gebauer von den Welterettungsabenteuern des neunjährigen Micah und seines elfjährigen Freundes Schraga. Analog zu einer chassidischen Parabel von einem ursprünglichen heiligen Ort des Feuers und des Gebets zur Rettung der Welt habe der Autor solche und andere Überlieferungsformen "um einige Schraubendrehungen weiterbewegt". Der Kanadier Michael Wex pflege ein ausgesprochen unorthdoxes Verhältnis zu orthodoxen Vorstellungen und Traditionen. In Toronto "zelebriere" er mit seinen Erzählperformances eine Art "jewish underground", frei von jeder Folklore. In der Geschichte vom kleinen "fetten" und "weisen" Micah versucht der "kindliche Talmundist" den Mord an seinen Eltern aufzuklären und macht als seinen Gegner einen bösen Weltbeherrscher aus. Mit den Abenteuern der beiden Freunde gerate Michael Wex' Comic-Strip-Epos in eine "wilde Ansammlung disparater und apokrypher Überlieferungen, halbbekannter und wunderbar erfundener Erzählungen". Zum Glück, frohlockt die Rezensentin, sei dieses kleine Werk über "geheimes" Wissen und die Freude an der "Spekulation" nicht geheim geblieben.
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