Kathy Page

All unsere Jahre

Roman
Cover: All unsere Jahre
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783803133137
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Beatrice Faßbender. Mit dem Happy End geht es doch eigentlich erst los. Denn der Versuch, einen anderen Menschen glücklich zu machen, ist ein Unterfangen, für das ein ganzes Leben nicht ausreicht: vor allem wenn man beschäftigt ist mit der Erziehung dreier teils widerspenstiger Töchter, anstrengenden Eltern und nicht zuletzt mit dem Altern. Und so geht in dieser 70 Jahre währenden Ehe manches Geschirr zu Bruch - wofür die Versöhnung wiederum entschädigt. Harry Miles und Evelyn Hill lernen sich eines Nachmittags zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in einer Londoner Bibliothek kennen, kurz bevor Harry eingezogen wird. Er, der sensible Literatur- und Naturliebhaber, ist von dieser willens- und meinungsstarken Frau fasziniert und wird es immer bleiben. Sie verbindet der Wunsch nach Aufstieg und einem besseren Leben, und so suchen sie die heile Welt in einer Idealfamilie mit einem hübsch eingerichteten Haus. Langsam aber müssen sie begreifen, dass sich auf diese Weise nicht alle Träume erfüllen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.11.2019

Die Ehe ist nicht Schuld, nein, die Erzählerin ist es, glaubt Rezensentin Claudia Tieschky. Diese Erzählerin berichtet aus fast siebzig Jahren Beziehungsgeschichte als ordne sie Porzellanfigürchen in einen Setzkasten. "Faszinierend" findet Tieschky mit welcher Genauigkeit, Geduld und Simplizität die Autorin vom Verlieben, vom Zusammenziehen, vom Kinderkriegen, vom Kindererziehen, vom Umziehen, vom Geldverdienen, vom Mehrgeldverdienen, vom Liebeaufrechterhalten, vom Kulturrezipieren erzählt. Als Vorlage dienten ihr alte Briefe ihrer Eltern. Alles im Leben und Sein dieser zwei Figuren scheint sanft und ordentlich, selbst der Millieuwechsel, den man zum Beispiel bei Annie Ernaux auch als harten Umbruch erfahren kann, verläuft in diesem Roman extrem gesittet, so die Rezensentin. Und dann wendet sie ein: "Das täuscht", und spricht davon, wie einem beim Lesen irgendwann gerade durch die Ruhe das "Malmen der Zeit" zu Ohren kommt. Ob nun im Rückblick all die Ordnung und Ruhe plötzlich als literarisch sinnvoll sich erweist, wird nicht ganz deutlich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2019

Rezensentin Sandra Kegel lernt mit dem ersten auf Deutsch zu lesenden Roman von Kathy Page die Bitterkeit des Alters kennen. Was es heißt, wenn die Liebe nur noch ein sehnsüchtiges Gefühl ist und man auf lauter verpasste Chancen zurückblickt, vermittelt ihr Page anhand der sich über sieben Jahrzehnte erstreckenden Geschichte eines alten Paares. Den skrupulösen Blick der britischen Autorin auf den Verfall einer Liebesbeziehung schätzt Kegel wegen der Konzentration auf kleine Details. Nicht das große Drama wird hier erzählt, meint sie, sondern die langsame Entfremdung. Dass Page nicht wertet, sondern ihre "Doppelcharakterstudie" aus der Distanz entwirft, macht das Buch für Kegel umso bedrückender.
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