Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2003
"Management by Führerbefehl" - so fasst die Überschrift von Jürgen Jeskes Besprechung die These dieses Buches des Historikers und Betriebswirts Michael von Prollius zusammen. Während, wie man erfährt, etwa Ian Kershaw in seiner jüngsten Hitler-Biografie die Ansicht vertreten hat, es habe wenig Sinn, eigens Begriffe zur Beschreibung des "Wirtschaftssystems" während der NS-Herrschaft zu erfinden, weil alles von der Dominanz des Führerwillens abhing, versucht von Prollius hier, berichtet der Rezensent, nun ein "ganzheitliches ordnungstheoretisches Erklärungsmodell" vorzulegen. Demnach haben die Nazis, erfährt man weiter, durchaus über ein spezifisches, nichtkapitalistisches Wirtschafssystem verfügt, auch wenn sie über keine dazugehörige, konsistente Theorie. Weil sich die Entscheidungen Hitlers immer vor dem Hintergrund schwer vorhersagbarer Dynamiken, etwa von Machtkämpfen unter seinen nächsten Untergebenen, ergeben haben, also immer Ad-hoc-Interventionen darstellten, spricht von Prollius dabei von einem "Emergenz-Staat", wie man erfährt. Man könne das so sehen, kommentiert der Rezensent - es stehe indes dahin, "ob dieser Ansatz wirklich weiterführt". Im Übrigen beklagt Jeske "zahlreiche Druckfehler" und wünscht dem Verlag künftig ein aufmerksameres Lektorat.
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