Auf die Bipolarität des Kalten Krieges folgte die Weltunordnung. Die Postmoderne hörte den Hufschlag der vier apokalyptischen Reiter: Terror, Massenvernichtungswaffen, Chaosstaaten und Cyberwar. Das neue Buch von Michael Stürmer stellt die alte Frage, wer die Erde erben wird, und er bleibt die Antwort nicht schuldig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2006
Skeptisch betrachtet Rezensentin Anette Bingemer die finsteren Weltdeutungen, die der Historiker Michael Stürmer in seinem neuen Buch vorträgt. Schon sein Blick auf die letzten achtzig Jahre Weltgeschichte scheint ihr nicht gerade von Fortschrittsglauben geprägt. Richtig düster aber findet Bingemer seine Zukunftsszenarien einer von Massenvernichtungswaffen, islamistischem Terror und Chaosstaaten geprägten Welt. Gerade in der Einleitung und im Schlussteil trägt der Autor ihrer Ansicht nach einfach zu dick auf. Die dramatischen, bedeutungsschwangeren und apokalyptischen Formulierungen, die Stürmer hier bemüht, sind für Bingemer kaum auszuhalten. Sie zeigt sich auch erstaunt darüber, dass der Historiker glaubt, sich derart in Kassandra-Rufen üben zu müssen. Insbesondere da ihres Erachtens "gegenwärtig einige Annahmen des klassischen Realismus geradezu neu bestätigt werden".
"Schwer zu ertragen" findet Rezensent Patrick Horst diese "apodiktisch" vorgetragenen Visionen eines bevorstehenden Weltuntergangs. Das Fürchten lehrte ihn aber nicht so sehr das geschilderte Schreckensszenario einer seit dem 11. September aus dem Lot geratenen Welt. Es ist der Autor selbst, den der irritierte Rezensent hier seinen lange gepflegten Standort in der "realistischen Denkschule der internationalen Politik" aufgeben und sich in Visionen und Fiktionen hineinsteigern sieht. Der sonst so "gescheite Weltgeschichtler" habe sich hier so tief in apokalyptische Szenarien verstrickt, dass ihn der Rezensent schließlich am liebsten vor sich selbst in Schutz nehmen würde. Vor allem aber findet er derartige Auswüchse der komplexen Situation insgesamt nicht sehr dienlich.
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