Michael Köhlmeier

Nachts um eins am Telefon

Deuticke Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552060203
Gebunden, 159 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Das Telefon ist der beste Freund des Einsamen, und Telefongespräche nach Mitternacht sind Unterhaltungen mit Geistern. Der Erzähler telefoniert mit Freunden, wie dem übergewichtigen Caligula oder der schönen Jetti, seiner alten Liebe, aber auch mit Wildfremden, die er in der Republik der Schlaflosen antrifft. Aus gut zwei Dutzend Telefongesprächen setzt sich dieses Buch zusammen, aus hingebungsvoll gepflegter Paranoia, aus Großstadtneurosen, aus Erinnerungssucht und anderen Süchten. Michael Köhlmeiers herausragende Qualität als Erzähler beruht auch darauf, dass er es versteht, sehr genau hinzuschauen, mit dem Blick von jemandem, der die Menschen liebt, weil er gar nicht anders kann, in ebenso zarter wie brutaler Genauigkeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2005

"Das Telefon ist eine Brücke, über die man nicht gehen kann", schreibt Samuel Moser, um zu zeigen, worum es in diesen Texten von Michael Köhlmeier geht. Nämlich um die Existenz in Einsamkeit, die Zuflucht zum Reden sucht, zur Erzählung, zur Vorstellung von Zweisamkeit, dabei aber keine Distanzen überwindet. "Nachts um eins am Telefon" bauen sich die Vereinzelten diese Brücke, die nicht begehbar ist, sie entwerfen gemeinsame Geschichten, auch wenn sie Wand an Wand wohnen und die Begegnung scheuen. Moser ist in den Bann geschlagen von der Art, wie Köhlmeier das erzählt: melancholisch grundiert, "selbstironisch", "klarsichtig". Und es geht, so der Rezensent, um mehr als die Einsamkeit im Allgemeinen - um die Einsamkeit des Autors nämlich, der sich erzählend an die Welt wendet, ohne bei ihr sein zu können. Denn: "Der Text ist eine Brücke, über die man nicht gehen kann. Eine Brücke, die Distanzen schafft."
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