Vladimir Vertlib

Am Morgen des zwölften Tages

Roman
Cover: Am Morgen des zwölften Tages
Deuticke Verlag, Wien 2009
ISBN 9783552060975
Gebunden, 560 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Astrid Heisenberg und ihr Großvater haben auf sehr unterschiedliche Weise eine enge Beziehung zum Orient. Astrid hat eine Schwäche für orientalische Männer. Doch der Vater ihrer mittlerweile 19-jährigen Tochter, Khaled aus dem Irak, hat sich noch vor der Geburt des Mädchens aus dem Staub gemacht. Und auch ihre aktuelle Affäre steuert auf eine Katastrophe zu. Um sich abzulenken, beginnt Astrid, die Lebenserinnerungen ihres Großvaters aufzuschreiben. Sebastian Heisenberg war ein bekannter deutscher Orientalist. Im Zweiten Weltkrieg war er für das Reichspropagandaministerium und die deutsche Abwehr tätig und verfasste ein Buch, in dem er eine "faschistische Perspektive für die Welt des Islam" zeichnete.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2010

Mit einigem Bedauern liest Cord Aschenbrenner das neue Buch des russischstämmigen Österreichers Vladimir Verlib. Denn eigentlich fände er "Am Morgen des zwölften Tages" durchaus gelungen - hätte der Autor aus seinem Roman einfach zwei Erzählungen gemacht. Verlib lässt in seinem Roman über die Islamerfahrungen verschiedener Generationen zwei völlig unterschiedliche Geschichten miteinander korrespondieren und überlädt damit seine Erzählung, kritisiert der Rezensent. So verfolgt der Leser zunächst das Schicksal einer jungen Mutter, die bei ihren Affären mit islamischen Männern schlechte Erfahrungen gemacht hat und schließlich in eine islamophobe Selbsthilfegruppe gerät. Als sie beim "therapeutischen Aufräumen" plötzlich auf Erinnerungsstücke ihres toten Großvaters stößt, setzt die zweite Handlung ein. Diese Erzählung über eine nationalsozialistische Irak-Expedition im zweiten Weltkrieg, in welcher der Autor mit historischer Kenntnis ein genaues Bild des Nahen Ostens vor siebzig Jahren entwerfe, findet der Rezensent wesentlich interessanter. Eine wirkliche Verbindung zwischen den Handlungen gibt es aber offensichtlich leider nicht, und so fragt sich Aschenbrenner nach der Lektüre nur: Was soll das?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2010

Vorsicht!, scheint Sabine Berking zu sagen. Politisch korrekt geht es nicht zu in diesem Roman von Vladimir Vertlib, der den Leser abwechselnd zu Hitlers Reichspropagandeuren in die irakische Wüste und in die Wohnstuben einer süddeutschen Kleinstadt schickt. Thema ist die Liebe zum Orient und ihre Fährnisse. Wenn der Autor es als Tableau von Irrungen zwischen den Kulturen inszeniert, fühlt sich Berking an Joseph Roths Hintersinn und Thomas Bernhards Galle erinnert. Exotisch ist das alles nicht, meint sie. Wenn Berking die historischen Details und das Oszillieren des Textes zwischen Islamophobie und deren Persiflage auch mitunter zu viel wird, gut unterhalten hat sie sich dennoch.
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