Aus welchem politischen Umfeld stammten Ende 1945 die Redakteure, die die Seiten der neu gegründeten Tagespresse füllten? Die NS-Kontinuitäten bei Zeitungsjournalisten sind für die Heimatpresse in Bayern bislang kaum untersucht. Redakteure gaben meist an, während der NS-Zeit im Widerstand gewesen zu sein. Jedoch wirft ein Vergleich der Entwicklung der größten Zeitungen von Niederbayern und der Oberpfalz, der "Passauer Neuen Presse" und der "Mittelbayerischen Zeitung" aus Regensburg, einen Schatten auf die keineswegs unbelastete Heimatpresse der Nachkriegszeit. Beide Medien prägten die öffentliche Diskussion über die NS-Zeit und die Richtung der gesellschaftlichen Vergangenheitsbewältigung. Welche Rolle spielten dabei ehemalige NS-Propagandisten?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2026
Michael Hellstern enttarnt in diesem Buch laut Rezensent Thomas Schuler die Lebenslügen eines bayerischen Karrieristen. Es handelt sich um Hans Kapfinger, einen Journalisten, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich als Nazi-Gegner und sogar -Verfolgter stilisierte, was es ihm ermöglichte, als Herausgeber der Passauer Neuen Presse die bayerische Zeitungslandschaft maßgeblich mitzuprägen. Hellstein zeigt in seiner Dissertation, der von Fachhistorikern hohe wissenschaftliche Qualität bescheinigt wurde, wie wenig genau es Kapfinger mit der Wahrheit nahm. Keineswegs schrieb er nach der Machtergreifung konsequent gegen die Nazis an: So ist ein Artikel mit der Forderung, Hitlers Geisteszustand zu untersuchen, nicht auffindbar, eine Tätigkeit als stellvertretender Chefredakteur bei einer Nazipostille verschwieg er nach dem Krieg zudem komplett. Hellstein rekonstruiert, teils mit Hilfe des Nachlasses des Nazi-Gegners Ernst Langendorf, wie Kapfinger trotz allem von den amerikanischen Besatzern ein Persilschein ausgestellt werden konnte - und vor allem, wie wenig Interesse in Passau und bei der Passauer Neuen Presse lange herrschte, die Lügen des rechtskonservativen Journalisten zurecht zu rücken. Insofern arbeitet Hellstern hier, meint Schuler, einen veritablen Skandal auf.
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