Michael Ebmeyer

Der Neuling

Roman
Cover: Der Neuling
Kein und Aber Verlag, Zürich 2009
ISBN 9783036955322
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Matthias Bleuel steht neben sich. Seit seiner Scheidung lebt er wie betäubt vor sich hin. Als sein greiser und russlandsentimentaler Chef ihn bittet, nach Kemerowo in Südsibirien zu reisen, um dort in einer winzigen Zweigstelle des Versandhauses eine Urkunde zu überbringen, willigt er ein, weil er zu schwach zum Neinsagen ist. Doch in der mystischen sibirischen Sommerlandschaft erkennt sich Bleuel plötzlich selbst nicht mehr wieder. In Liebe zur geheimnisvollen Sängerin Ak Torgu entflammt, wird der verzagte Logistiker zum geistergläubigen Heißsporn. Zunächst stolpernd, dann immer drängender bewegt er sich in eine völlig neue Welt hinein. Er setzt alles aufs Spiel, um Ak Torgu für sich zu gewinnen - und um sich endgültig zu verabschieden vom einstigen Matthias Bleuel.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.06.2009

Recht eingenommen ist Rezensentin Wiebke Porombka für Michael Ebmeyers Roman "Der Neuling", für sie eine "leise, aber leidenschaftliche Hommage an die Kraft der Musik und an Sibirien". Im Mittelpunkt sieht sie Bleuel, einen geschiedenen Logistiker eines Stuttgarter Modeversandhauses, dessen Existenz im Mittelmäßigen verläuft, bis er bei einer Dienstreise in Sibirien die Sängerin Ak Torgu hört und derart mitgerissen ist, dass er alles daran setzt, ihr näher zu kommen. Das Ganze hat für Porombka einen fast märchenhaften Zug. Allerdings wäre es für ihren Geschmack nicht nötig gewesen, Bleuel mit sämtlichen Eigenschaften eines "linkischen Spießers" zu versehen. Gleichwohl findet sie es hinreißend, wie Ebmeyer den Kontrast zwischen der Trostlosigkeit des sibirischen Alltags und dem plötzlich so euphorischen Bleuel in Szene setzt. Auch die Figur des plappernden Artjom, der Bleuel als Dolmetscher begleitet, hat ihr gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2009

Diese Art von Kulturaustausch lässt Oliver Jungen sich gefallen. Piroggen essen, Wodka trinken und darauf warten, das man selbst Taiga wird. So geht es dem schwäbischen Aussteiger-Hero in Michael Ebmeyers, wie Jungen findet, unaufdringlich-authentisch tagebuchartigem Roman. Authentisch kommen Jungen die Orte vor, Sibirien, und die geschilderten Fährnisse der Erleuchtung, fühlt man sich als "schorischer Nomade". Das Ganze ist auch "sprachlich wacker" gefasst, und so gefällt Jungen das Buch sogar als "Buch zur Krise", sieht er den Ausstieg wieder als Chance.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…