"Psyche" enthält Hubert Fichtes Arbeiten aus dem Umkreis seiner Reisen nach Afrika. Er besuchte in den siebziger und achtziger Jahren unter anderem Tansania, Togo, Senegal und Dahomey. Fichte interessierte sich dort vor allem für den Umgang der Einheimischen mit Geisteskrankheiten. Er führte zahlreiche Interviews mit den meist in Europa ausgebildeten Psychiatern und setzte sich mit deren Behandlungsmethoden auseinander. Sein Buch entwirft nicht nur ein vielschichtiges Panorama afrikanischer Kulturen und liefert nicht nur neues, bislang unbekanntes Material zur Untermauerung der Thesen der vieldiskutierten Anti-Psychiatrie, sondern ist zugleich auch als implizite Kritik am normierten und normierenden Alltag der westlichen Zivilisation zu verstehen. Hubert Fichte gelingt es darüber hinaus, sein Material immer wieder zu suggestiven Prosastücken zu verdichten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Am 21. März diesen Jahres wäre Hubert Fichte siebzig Jahre alt geworden; Anlass mehrere seiner Bücher neu herauszugeben, berichtet Hans-Jürgen Heinrichs. "Psyche. Annäherung an die Geisteskranken in Afrika" ist in dieser Form - als Bildband - jedoch noch nie erschienen, korrigiert er, obwohl der Band von Fichte so konzipiert gewesen sei. Der Autodidakt, Ethnologe und Schriftsteller Fichte, bei dem man von einem "ethnopoetischen Stil" sprechen könnte, der für Heinrichs fast zwanzig Jahre nach Fichtes Tod "nichts von seiner Frische" eingebüßt hat, arbeitete eng mit der Fotografin Leonore Mau zusammen, deren Aufnahmen "tendenziell gleichberechtigt" neben Fichtes Textsammlung stehen. Der "Psyche"-Band versammelt sehr unterschiedliche Textformen, so Heinrichs: Interviews, Kommentare, Glossen, Tagebuchnotizen, die von Fichte alle gleichwertig behandelt würden. Sogar statistisches Material gerate dabei zu einem "poetischen Bestandteil eines aufklärerischen Textes", bemerkt der Rezensent, denn um das Ergründen und Darstellen von Wirklichkeit in einer Mischform des Dichterischen und Wissenschaftlichen sei es Fichte zu tun gewesen. Im Rahmen des Gesamtwerkes stünde "Psyche" dem Roman "Die schwarze Stadt" am nächsten, meint Heinrichs, einer poetischen Recherche zur Kultur der Afroamerikaner in New York. Von ihrer ästhetischen Überzeugungs- und Erkenntniskraft hätten Fichtes Bücher nichts verloren, schwärmt er.
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