Michael Angele

Der letzte Zeitungsleser

Cover: Der letzte Zeitungsleser
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2016
ISBN 9783869711287
Gebunden, 160 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Die Vielfalt der deutschsprachigen Zeitungslandschaft, ja die Tageszeitung an sich, wird wohl nicht zu retten sein. Da geht etwas verloren. Michael Angele (der u. a. Chefredakteur der ersten deutschen Internetzeitung war und alles andere als neuerungsfeindlich ist) lässt mit wehmutsvoll wachem Blick Revue passieren, was alles verschwindet: nicht nur eine Nachrichtendarreichungsform, nein - eine Kulturleistung, ja eine Lebensform. Das fängt bei der Umgebung an, in der man seine Zeitung zu lesen pflegt, dem Ritual, welchen Teil wann. Und geht weiter bei der durch das Blatt in Gang gesetzten (oder verhinderten) Kommunikation am Frühstückstisch - manche Ehe wäre ohne Zeitung ganz anders verlaufen. Und wie soll sich das Gefühl kosmopolitischer Weltläufigkeit einstellen, wenn man in einer New Yorker Hotellobby am Handy Spiegel Online statt die New York Times liest?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2016

Hannes Hintermeier hat sich die Mühe gemacht, mal zu überschlagen, wie viel Platz der im Zeitungsspalten-Layout abgedruckte Essay von Michael Angele in einer Tageszeitung einnehmen würde: Auf fünf Zeitungsseiten kommt der Rezensent, der den Buchpreis dafür ziemlich stattlich findet. Nichtsdestotrotz scheint er den schmalen Band mit Gewinn gelesen zu haben, begegnet er hier doch nicht nur dem passionierten Zeitungsleser Thomas Bernhardt, sondern auch Franz Xaver Kroetz, Harald Schmidt, Claus Peymann oder dem ehemaligen Wirtschaftsminister Werner Müller, den Angele beim Zeitungslesen in einem Berliner Cafe beobachtet. Exkurse über die Symbolik von auf der Toilette deponierten Zeitungen und Klagen über die "inhaltliche Verflachung" von Tageszeitungen runden das Buch für Hintermeier ab.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2016

Philipp Fritz gefällt der kaum kulturpessimistische, unzynische, liebevolle und sanft trauernde Ton in Martin Angeles Buch über das Zeitungslesen als bedrohte Kulturtechnik. Mit dem passionierten Zeitungsleser Thomas Bernhard im Gepäck berichtet der Autor laut Fritz essayistisch über die Leidenschaft "Zeitung", erzählt von 68ern, die bis heute auf den Wirtschaftsteil der FAZ schwören, vom Zeitungskauf und von der Zeitungslektüre am Familienesstisch.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.08.2016

Abgesänge auf das Zeitungswesen sind en vogue, weiß Marc Reichwein, und zumeist präsentieren sich die Autoren gewappnet mit medienwissenschaftlichem Jargon und Fachwissen. Anders Michael Angele in "Der letzte Zeitungsleser", verrät der Rezensent, was aber keineswegs als Mangel zu werten sei. Angele hat einfach ein anderes Buch geschrieben, eines über "autochthone Ästhetiken" des Zeitungslesens, über ein Lebensgefühl, dessen "Distinktionsgewinn mit abnehmender Umblättererpraxis"  weiter ansteigen dürfte, wie Reichwein prognostiziert. Die Frage, ob die neuen Medien ein vergleichbares Lebensgefühl hervorrufen, das vor allem ähnlich langfristige Bindungen mit Lesern ermögliche, steht laut Angele noch aus, erklärt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2016

Sofia Glasls Blick bleibt gänzlich unverklärt angesichts von Michael Angeles Ode auf das Zeitunglesen als kulturelle Leistung. Angele gelingt laut Glasl in stilistischer Anverwandlung des gerpriesenen Mediums das Kunststück zugleich als Leser und als Zeitungsmacher auf die Zeitungswelt zu schauen und auch noch ein Porträt des passionierten Zeitungslesers Thomas Bernhard einzubinden, anekdotenhaft zwar, aber liebevoll, meint Glasl. Leseerlebnisse, Begegnungen und glossenhafte Erkenntnisse über die Übermacht digitaler Medien runden den Band ab, erklärt die Rezensentin. Das Weltgefühl Zeitung kann Angele ihr offenbar ganz gut vermitteln.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.08.2016

Knud von Harbou freut sich über ein "Beutelbuch" des Zeitungsjournalisten Michael Angele. Was Angele über den drohenden Niedergang der Zeitungskultur in kurzen Gedanken formuliert, scheint ihm lesenswert, weil unprätentiös und charmant. Apercus, Leseabläufe eines Profis und der Zeitungsleser Thomas Bernhard kommen vor und führen Harbou zu einem knappen, aber pessimistischen Fazit, ohne das er sich allzu sehr an die Hand genommen fühlt. Über das Wissen und Wundern des Zeitungslesens und ihren Bedeutungswandel erfährt der Rezensent dennoch viel. Zu blass allerdings scheint ihm der Autor die Geschichte der großen deutschen Zeitungen und ihrer Macher darzustellen.