Mit Anschluss ist nicht zu rechnen. Mercedes Spannagel erzählt in ihrem Debütroman von der korrupten rechten Elite, die von ihrer rebellischen Brut zu Fall gebracht wird. Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs. Als diese sich ihren neunten Windhund zulegt, holt Luise einen Mops ins Palais, den sie Marx nennt. Die Waffen der präsidialen Jagdgesellschaft schmeißt sie in den Pool, das Teezimmer tapeziert sie mit Artikeln über die Verbrechen der chinesischen Regierung und als ihre Mutter sie mit einem Burschenschafter verkuppeln will, der ihr stolz den Schmiss über seiner Augenbraue zeigt, skandiert sie: "Mensur ist Menstruationsneid!". Mit ihren Freunden streift Luise durch die Straßen Wiens und schmiedet Pläne, die Regierung zu stürzen. Eine Kunstaktion auf dem Opernball soll das Land verändern - doch es läuft nicht ganz so, wie sie es sich gedacht haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020
Rezensentin Theresa Hein amüsiert sich prächtig mit dem Debütroman der Österreicherin Mercedes Spannagel, die ihr von den linken Töchtern einer rechten Bundespräsidentin erzählt. Im Mittelpunkt steht Luise, die ihre Mutter mit der Anschaffung eines Mopses namens Marx, eigenwilliger SexualpartnerInnen-Wahl und anderen Aktionen provoziert, ebenso viel trinkt und kokst wie ihre Schwester Yara - und dann doch nur so lange Sozialistin bleibt, wie sie dabei ihre Saint-Laurent-Cateye-Sonnenbrille tragen darf, resümiert die Kritikerin. Feinfühlige Beobachtungen, mitfühlend gezeichnete Figuren und eine Prise Wiener "Lakonie" lassen Hein eine klare Leseempfehlung aussprechen.
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