Aus dem Italienischen von Helmut Moysich. Severino Corona, genannt Zino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Bergdorf im Friaul auf, als Waisenjunge. Als er später den jungen Raggio kennen lernt und sich mit ihm anfreundet, beschließen die beiden, eine Käserei aufzumachen. Die floriert auch bald. Aber da versucht Raggios Frau, Zino zu verführen. Ein Drama von biblischem Ausmaß nimmt seinen Lauf. Zino verstrickt sich immer tiefer in Schuld: Am Ende gibt er Raggio zerstoßene Tollkirsche, ein tödliches Gift. Raggio aber stirbt nicht, sondern wird verrück. In der Einsamkeit der Bergwelt, in einer ebenso schönen wie unbarmherzigen Natur mit langen, eisigen Wintern und sengend heißen Sommern, sind die Menschen Gefangene ihrer Triebe, ihres Aberglaubens, ihres Argwohns. Mit seiner von der Bergwelt geprägten Sprache erzeugt Corona eine Mischung aus Härte und Poesie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2012
Mit viel Lob bespricht Rezensent Wolfgang Schneider Mauro Coronas in Italien bereits im Jahre 2005 veröffentlichten Roman "Im Tal des Vajont", der ihm als ein "vom Höllenfeuer angesengtes Seelengemälde" erscheint. Der "archaische" Roman, der den Kritiker an die Erzählwelt Jeremias Gotthelfs erinnert, erzählt die im Jahre 1920 abgefasste Lebensgeschichte Zino Coronas, der sich nach der Ermordung des Vaters und dem tragischen Tod der Mutter zunächst als (sexueller) Lehrling einer älteren Großgrundbesitzertochter durchschlägt und schließlich eine Käserei mit seinem Freund Raggio gründet, dessen Frau ihn jedoch bald verführt. Selten hat der Rezensent eine mit solcher "Wucht" und Drastik geschriebene Geschichte über Tod und Eros gelesen wie in diesem Epos aus der italienischen Bergwelt, in dem sich Frauen nach blutigen Abtreibungen erhängen und Wahnsinn, Mord und Schuld einander abwechseln. Nicht zuletzt würdigt der Kritiker die Leistung des Übersetzers Helmut Moysich, dem es exzellent gelinge, Coronas gewaltige und "ungeheuerliche" Sprache ins Deutsche zu übertragen.
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