Mauricio Rosencof

Die Briefe, die nicht ankamen

Roman
Cover: Die Briefe, die nicht ankamen
Edition Köln, Köln 2004
ISBN 9783936791075
Gebunden, 122 Seiten, 13,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Aus den Zeugnissen eines Kindes, eines Jugendlichen, eines Mannes setzt Mauricio Rosencof die Geschichte seiner Familie und seine eigene zusammen: von den Konzentrationslagern der Nazis bis in die Gefängnisse der uruguayischen Militärdiktatur; aus einem polnischen Dorf mit jüdischer, Flucht und Emigration gewohnter Minderheit in eine Schneiderwerkstatt und ein Pflegeheim Montevideos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2004

Als einen "ergreifenden Familienroman" würdigt Rezensent Kersten Knipp "Die Briefe, die nicht ankamen" von Mauricio Rosencof, der dreizehn Jahre in den Gefängnissen des uruguayischen Militärs verbrachte. Neben der Monotonie, Einsamkeit und Schrecken jener Jahre nennt Knipp die Geschichte von Rosencofs Familie, die Anfang der dreißiger Jahre aus Polen nach Uruguay emigrierte, als Gegenstand des Romans. Beeindruckt zeigt sich Knipp vor allem von den Briefen, die der Erzähler im Gefängnis verfasst, die ihre Adressaten nie ereichen, weil sie inzwischen verstorben sind. Knipp versteht sie als eine "bewegende Suche nach der verlorenen Zeit" - "gehalten in einer so atem- wie schutzlos anmutenden Syntax, einer Kaskade sich überstürzender Halbsätze, ganz so, als fürchtete der Verfasser, die fragilen Erinnerungen könnte ihm jederzeit wieder zwischen den Fingern zerrinnen". Unter dem Eindruck von zwei Diktaturen geschrieben, seien die Briefe weniger das Werk eines "souverän schaltenden Erzählers", als vielmehr das Zeugnis eines Menschen, "dem der Druck von dreizehn Jahren Haft mit jedem Wort aus der Feder quillt". Man müsse kein Anhänger psychologisierender Kunsttheorien sein, um einzuräumen, so der Rezensent, dass großes Leid bisweilen große Literatur hervorbringe.
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