In deutschen Kliniken wird operiert, katheterisiert, bestrahlt und beatmet, was die Gebührenordnung hergibt - bei 1.600 Euro Tagespauschale für stationäre Beatmung ein durchaus rentables Geschäft. Matthias Thöns berichtet aus seiner jahrelangen Erfahrung von zahlreichen Fällen, in denen alte, schwer Kranke mit den Mitteln der Apparatemedizin behandelt werden, obwohl kein Therapieerfolg mehr zu erwarten ist. Nicht Linderung von Leid und Schmerz, sondern finanzieller Profit steht im Fokus des Interesses vieler Ärzte und Kliniken, die honoriert werden, wenn sie möglichst viele und aufwendige Eingriffe durchführen. Thöns' Appell lautet deshalb: Wir müssen in den Ausbau der Palliativmedizin investieren, anstatt das Leiden alter Menschen durch Übertherapie qualvoll zu verlängern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2016
Zunächst einmal dankt Rezensentin Martina Lenzen-Schulte dem Palliativmediziner Matthias Thöns für dieses Buch, das ihr erschreckende Einblicke in das Geschäft mit dem Tod ermöglicht. Anhand zahlreicher Beispiele kann ihr der Autor eindringlich und schonungslos vermitteln, wie Sterbenskranken aufwendige, teure, aber meist aussichtslose Therapien aufgedrängt werden, die das Leiden der Patienten meist nur hinauszögern, die Kassen der Pflegeeinrichtungen jedoch füllen. Mit stockendem Atem liest die Kritikerin auch, wie kalt und unwürdig mit jenen Patienten verfahren wird, welche die lebenserhaltenden Maßnahmen ablehnen. Während Thöns zwar eine Vielzahl alternativer, weniger aufwendiger Therapien auflistet, vermisst die Rezensentin neben einer stringenten Argumentation einen differenzierteren Blick, etwa auf den Erfolg von Chemotherapien. Die im Anhang befindliche Patientenverfügung findet die Kritikerin hingegen "vorbildlich".
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