Kann Strafverfolgung opferorientiert sein? Spektakuläre Prozesse um sexuellen Missbrauch von Kindern haben diese Frage aufgeworfen. Der Autor zeigt eine Möglichkeit, wie sich ein Widerspruch zwischen öffentlichem Strafverfolgungsinteresse und der Berücksichtigung des Opfers als Rechtssubjekt vermeiden lässt. Opferschutz im Strafverfahren besteht nicht in Vergeltung oder Genugtuung, sondern darin, dem Opfer eine Rechtsposition einzuräumen, die es ihm ermöglicht, mit seiner Geschichte des erlittenen Unrechts gehört zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2003
Eine Strafverfolgung "im Interesse des Kindeswohls, kann genau dieses beschädigen", so fasst Milos Vec das Dilemma zusammen, aus dem diese Frankfurter juristische Dissertation einen Ausweg sucht. Einen "provokanten Vorschlag" nennt Milos Vec, wofür Jäger-Hellport argumentiert: Indem man viele Fälle einer gerichtlichen Hauptverhandlung entzieht, sollen den Kindern wesentliche Zusatzbelastungen, die Juristen auch "sekundäre Viktimisierung" nennen, erspart werden. Der Rezensent fragt dagegen, ob einer Abwendung vom Strafrecht zugunsten von Helfen und Schlichten nicht eine "prinzipielle Selbstüberschätzung der Gesellschaft" zugrunde liege. In "den Vorzimmern der Justiz" mangele es häufig erheblich an Transparenz und klaren Regeln. Jäger-Helleports Arbeit unterscheide sich jedoch, bescheinigt ihm Vec, "durch Präzision und Empirie wohltuend von der allgemeinen Diskussion", in der es "nachgerade modisch" geworden sei, das Opfer in den Mittelpunkt der Rechtspolitik zu stellen.
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