Am 15. März 1938 bejubelten die Wiener nach dem "Anschluss" Österreichs auf dem Heldenplatz Adolf Hitler. Nach dem Krieg gelang es Österreich erfolgreich, sich als "erstes Opfer der Hitler'schen Eroberungspolitik" zu stilisieren und den Nationalsozialismus als rein "deutsches" Problem erscheinen zu lassen. Während die bundesrepublikanische Täterforschung seit den neunziger Jahren grundsätzlich das Bild der Verantwortlichen für Kriegsverbrechen verändert hat, steht dies für Österreich noch aus. Dabei war in der Geschichtswissenschaft seit längerem aufgefallen, dass zum Beispiel dreiviertel aller Kommandanten der Vernichtungslager aus der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie stammten. Erstmals werden in dieser repräsentativen und breit angelegten Studie 51 Täter des Führungspersonals von Sicherheitspolizei (Sipo) und SD analysiert, eine Leistung, die absolut neue Erkenntnisse für die 'Ostmark', für die Geschichte Österreichs im Nationalsozialismus erbringt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2015
Rezensent Klaus A. Lankheit kritisiert Matthias Gafkes Studie mit Lebensläufen von insgesamt 51 aus der ehemaligen k.u.k.-Monarchie stammenden Männern in Führungspositionen des NS-Herrschaftsapparats wegen ihres laxen und ironischen Sprachgebrauchs. Allein der Begriff Ostmärker scheint Lankheit unangemessen. Über den anvisierten Personenkreis geht der Autor laut Rezensent außerdem allzu oft allzu detailliert hinaus. Gafkes Darstellung der Entwicklung und Wirkungsweise des Sicherheitsapparates des "Dritten Reiches" und die intensive Beschäftigung mit Ernst Kaltenbrunner, Otto Skorzeny oder auch Herbert Strickner kann Lankheit allerdings vermitteln, wie diese Leute zu Mittätern des Regimes wurden.
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