Mathias Gatza

Der Augentäuscher

Roman
Cover: Der Augentäuscher
Graf Verlag, München 2012
ISBN 9783862200092
Gebunden, 383 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Es war nichts als eine dunkel angelaufene Metallplatte, in die die Zahl 1673 geritzt war. Aber der Fund war spektakulär. Die Reste eines Photos aus dem 17. Jahrhundert? Obwohl die Fotografie erst im 19. erfunden wurde? Humbug, völlig unmöglich. Niemand glaubt dem verkrachten Wissenschaftler. Im Jahr 2002 jedoch, bei den Aufräumarbeiten nach dem Elbhochwasser in Dresden, stößt er auf einen Druckbogen im Bleisatz, dessen verklebte Seiten er löst und: das zweite Glied einer großartigen Beweiskette entdeckt. Schilderungen über einen gewissen Silvius Schwarz, hochbegabter Stillleben-Maler, Libertin und Atheist, der in Dresden aus einer Camera obscura ein künstliches Auge gebaut hat. Seine Geliebte, die wilde, schöne Sophie von Schlosser, berühmte Mathematikerin und Gambenvirtuosin, war ebenso Anlass für Neid und Missgunst wie Silvius Erfindung: die Eins-zu-eins-Wiedergabe der Natur.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.07.2012

"Großes Leseglück" hat Mathias Glatza mit seinem "Augentäuscher" der Rezensentin beschert. Randvoll mit Einfällen sei dieser Barock-Roman, schwärmt Judith von Sternburg, es geht um Musik, Malerei, Wissenschaft und Liebe, wobei Glatza die Genres ebenso durchquert wie die Jahrhunderte. Die Rahmenhandlung bilden die Forschungen eines prekär lebenden Akademikers, der bei seinen Arbeiten zur "Feinmalerei des Bielefelder Barock" auf den geheimnisvollen Maler Silvius Schwarz stößt. Sternburg räumt ein, dass Glatza mitunter die erzählerischen Mittel für seine unbändige Geschichte fehlen, aber übel nehmen will sie ihm das nicht. Der Mann wagt wenigstens etwas!

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.06.2012

Was sich Mathias Gatza mit seinem Roman "Der Augentäuscher" vorgenommen hat, ist "der blanke und vermessene Aberwitz", stellt Rezensent Andreas Isenschmid nicht ohne Bewunderung fest: ein barocker Ideenroman, kombiniert mit einer düsteren Liebesgeschichte, basierend auf (vom Autor erfundenen) historischen Dokumenten und abgerundet mit einer "leicht angethrillerten Herausgeberfiktion" um einen Kunsthistoriker, dem diese Dokumente in die Hände fallen. Sie sind eine Sensation, denn sie belegen, dass die Fotografie bereits im 17. Jahrhundert erfunden wurde, also rund 200 Jahre früher als bislang angenommen. Die Wissenschaft muss ein ganz neues Barockbild entwerfen! Vielversprechende Zutaten, doch Gatza gelingt es nicht, sie zu einem vollends überzeugenden Roman zu verarbeitenden, findet der Rezensent, den bei der Lektüre besonders zwei Aspekte "dauerhaft verstimmen": die seiner Meinung nach uninteressante Figur des Kunsthistorikers, vor allem aber die mal plump, mal überhaupt nicht historisierte Sprache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2012

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke muss aufpassen, dass sie nicht zu viel hineininterpretiert in diese etwas schräge Liebeserklärung an das Barock, die der Autor Mathias Gatza mit diesem Roman vorlegt. Einladende Andeutungen bietet der Text ihr allerdings in Hülle und Fülle. Schon, weil die Grenze zwischen Täuschung und Wirklichkeit ein Kennzeichen des Barock ist. Den aus diesem Umstand zu ziehenden Spaß kostet der Autor übrigens voll aus, wie Maidt-Zinke feststellt, indem er das Mantel- und Degen-Genre auf hohem Niveau reanimiert und Künstlerepos, Mediensatire, Klosterthriller und Liebesgeschichte kurzerhand darunter vereint. Wenn Gatza mit erfundenen und echten Figuren, authentischen und fingierten Quellen jongliert und neben seinem Barock-Forscher und dessen konkurrierender Kollegin einen obskuren Stillleben-Meister in dem verschachtelten Plot herumgeistern lässt, ist die Rezensentin heilfroh, dass sie nicht auch noch Barockdeutsch lesen muss.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Eine Augenwischerei, aber eine höchst unterhaltsame, hat Felicitas von Lovenberg da gelesen. Grund dafür ist unter anderem die Fähigkeit des Autors, im Entlegenen das Zeitgemäße zu erblicken. Und das gelingt Mathias Gatza laut Lovenberg wiederum prächtig in diesem Roman, den eine Liebesgeschichte oder einen Thriller oder einen Krimi zu nennen Lovenberg nicht wagt, denn er hat von allem etwas. Das Buch oder vielmehr der versierte, intelligente wie humorvolle Erzähler und Rechercheur vor dem Herrn nimmt die Rezensentin mit ins Dresdner Barock auf die von Zufällen angetriebene Suche nach einem verschollenen Maler. Eine Konkurrentin taucht auf, und Lovenberg kniet sozusagen vor den an dieser Stelle eingeflochtenen Liebesbriefen. Dass Gatza auf barockes Deutsch verzichtet, ist ein Grund dafür. Und der Bezug zum Jetzt? Lovenberg entdeckt ihn in der hier zelebrierten Macht des Verschollenen. Als Kritik am unaufhörlich verjüngenden verewigenden Gestus unserer Zeit.