Mit 170 Duotone-Abbildungen. Unter dem von Arno Fischer, dem Doyen der ostdeutschen Fotografie, stammenden Motto "Das pure Leben" zieht Mathias Bertram in zwei aufeinander abgestimmten und doch selbständigen Bänden eine umfassende Bilanz des Ostdeutschen Fotorealismus. Fern der Propaganda, die die offizielle Bildwelt der DDR beherrschte, zeigen die insgesamt 350 sorgfältig ausgewählten Aufnahmen von 60 namhaften Fotografen das Alltagsleben der Ostdeutschen nüchtern und ungeschönt, aber auch nicht ohne Heiterkeit. Sie belegen zugleich eindrucksvoll die hohe ästhetische Qualität der ostdeutschen Fotografie. 25 Jahre nach der Friedlichen Revolution ist ein außergewöhnlicher "Bildroman" entstanden, der mit geradezu epischer Breite vom "wahren Leben im falschen" zwischen Erzgebirge und Ostsee erzählt.
Auch wenn die zwei von Mathias Bertram herausgegebenen Bände für Annett Gröschner eher einem subjektiven Fotoroman gleichen denn einer auf Vollständigkeit zielenden Bestandsaufnahme der DDR-Fotografie und ihrer Protagonisten, schaut die Rezensentin hier doch den Fotorealismus made in East Germany, von 1945 bis 1990. Und Gröschner sieht sich das gerne an, folgt dem Bildungsroman der DDR auf Fotos von Uwe Steinberg oder Sibylle Bergemann durch Geschichten aus der Produktion, der Freizeitgestaltung, Geburt, Arbeit,Tod. Auch Ikonografisches enthalten die Bände, erklärt Gröschner, Marx und Engels, kopflos, z.B. Am besten allerdings gefallen ihr die Bilder, die das ungeschönte Leben zeigen, streng, melancholisch und humorvoll, so schreibt sie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014
Hellauf begeistert zeigt sich Rezensentin Renate Meinhof von diesen von Mathias Bertrams herausgegebenen Bänden zum Alltag und Leben in der DDR. Man könne bei den hier abgebildeten Fotografien, etwa von Sibylle Bergemann, Roger Melis, Helga Paris oder Harald Hauswald die DDR geradezu "riechen, schmecken, fühlen", schwärmt die Kritikerin, die angetan die kraftvollen Fotografien aus den frühen und späten Jahren betrachtet. Insbesondere lobt sie das Vermögen der hier versammelten Fotografen, nie bloß zu illustrieren, sondern stets Geschichten zu erzählen.
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