Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) versucht seit mehr als achtzig Jahren über die Ausarbeitung sozialpolitischer Mustergesetzgebungen Einfluss auf die nationale Sozialpolitik in ihren Mitgliedsländern zu nehmen. Die empirisch-statistische Überprüfung der Effektivität des ILO-Regimes im Industrieländervergleich und eine qualitative Länderstudie Schweiz führen den Autor zu drei zentralen Ergebnissen: Erstens lassen sich Effekte des ILO-Regimes auf die nationalstaatliche Politik systematisch nachweisen. Zweitens sind es weitgehend nationale Erfodernisse, welche die Bereitschaft der Industrieländer zur Selbstbindung auf internationaler Ebene bestimmen. Und drittens kann die Verbreitung des ILO-Standardregimes als regionaler Diffusionsprozess entlang historisch gewachsener Wohlfahrtsstaatstypen nachgezeichnet werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2002
Sehr differenziert bespricht Gerald Schneider die Habilitationsschrift von Martin Senti, in der dieser die Rückwirkungen von Globalisierung und internationalen Organisationen auf die Innenpolitik der Nationalstaaten untersucht, was auch im Zusammenhang mit den Debatten zum Uno-Beitritt der Schweiz besonders interessant sei. Dankenswerterweise sei der Autor, zur Zeit Inlandsredakteur der NZZ, sehr um Objektivität bemüht und stütze sich auf empirische Daten, was in der momentanen Globalisierungsdebatte nicht immer selbstverständlich sei. Er gehe dabei weitgehend deskriptiv vor, überzeuge aber dennoch in überraschendem Ausmaß. Trotzdem findet der Rezensent einige nicht unbedeutende Schwachstellen in Sentis Argumentation, so z.B. die Tatsache, dass die Aussagekraft der Ergebnisse teilweise durch die Selektion sehr eingeschränkt werde. So berücksichtige Senti nicht die Politik der Entwicklungsländer. Auch die überragende Bedeutung, die der Autor der ILO und den Gewerkschaften zumesse, könne so groß nicht sein, da diese durch den immer größer werdenden Dienstleistungssektor an Gewicht verlieren, meint Schneider. Dennoch betont er immer wieder, dass dieses Werk trotz seiner Schwächen ein überaus bedeutsames sei.
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