16 Farbtafeln, 101 Schwarzweißabbildungen. Nach Diktatur und Krieg erlebten die deutsch-französischen Kunstbeziehungen eine Renaissance. Schnell zeigte sich, dass man fortsetzen konnte, was 1933/39 unterbrochen worden war. Mit spektakulären Ausstellungen brachten die französischen Besatzer dem kuturell desorientierten Publikum in Westdeutschland und Berlin wieder die Moderne vom Impressionismus bis zum Kubismus nahe. Folgte jene politisch motivierte Kunstvermittlung zunächst dem Gedanken, die kulturelle Überlegenheit der französischen Nation zu demonstrieren, setzte sich allmählich die Erkenntnis durch, dass im neuen Europa Verständigung und Kooperation wichtiger waren; zögernd gab man dem Bestreben der Bundesrepublik nach, auch deutsche Kunst in Paris zu präsentieren. Noch bedeutender waren private Initiativen: Sammler, Künstler, Kunstkritiker und Kunsthändler, darunter viele Emigranten, waren die eigentlichen Träger des Dialogs. Indem sie die Avantgarde beider Länder durch Ausstellungen und Publikationen zusammenführten, gaben sie der Entgrenzung der deutschen Künstlerszene entscheidende Impulse. Deren Vertreter suchten in Paris Anschluss an das Versäumte und internationale Anerkennung; präzise lässt sich im Werk so unterschiedlicher Maler wie Baumeister, Winter, Götz, aber auch Sitte und Metzkes ein Prozess der Akkulturation nachweisen. Zugleich verschoben sich auf der Landkarte die ideologischen Grenzen. Die "Ecole de Paris" musste spätestens 1959 auf der documenta II erkennen, dass ihr die "New York School" den Rang abgelaufen hatte. Im geteilten Deutschland hingegen prallten zwei ästhetische Modelle aufeinander, wobei mit Picasso ein 'französischer' Maler im Zentrum der innerdeutschen Diskussion stand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2006
Sehr gelungen findet der Rezensent Frank Zelger die von Martin Schieder vorgelegte Studie zu den deutsch-französischen Kunstbeziehungen zwischen 1945 bis 1959. Aus Schieders detailliert recherchierten und geistes- und kulturgeschichtlich "souveränen" Aufzeichnungen geht hervor, so der Rezensent, dass 1945 nicht als Stunde Null der deutsch-französischen Kunstbeziehungen gelten kann, sondern als Wiederanknüpfen an die Vorkriegszeit gesehen werden muss. Zwar standen die von den französischen Besatzern im besetzten Deutschland organisierten Kunstausstellungen anfangs noch im Zeichen der Überlegenheit der französischen Kultur, doch sei es bald zu einem ebenbürtigeren Austausch gekommen. Vor allem die Emigranten unter den Kunstschaffenden, Kunstförderern und Kunstkritikern, so der Rezensent, setzen sich dabei für die "gegenseitige Akzeptanz" von Deutschen und Franzosen ein. Mit seiner "wissenschaftlich stringenten" und "spannenden" Studie hat Schieder nicht nur wissenschaftliches Neuland beschritten, so das lobende Fazit des Rezensenten, sondern weiterer Forschung den Weg bereitet.
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