Bärbel Küster

Matisse und Picasso als Kulturreisende

Primitivismus und Anthropologie um 1900
Cover: Matisse und Picasso als Kulturreisende
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050038506
Gebunden, 239 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Primitivismus als Anthropologie" bricht mit der herrschenden Meinung, die Aneignungen vermeintlich primitiver Objekte in de Kunst der klassischen Moderne in Frankreich habe im Bann ihrer furchterregenden Andersheit und besonderen Primitivität stattgefunden. Vielmehr läßt sich zeigen, daß in Frankreich um 1900 eine visuelle Praxis des kulturellen Vergleichens gang und gäbe war, die mittelalterliche Kunst, japanische, ägyptische, archaisch-antike, sumerische, iberische, afrikanische, ozeanische und viele andere Kulturen auf eine Stufe stellt und gerade nach den Gemeinsamkeiten fragt. Den beiden Protagonisten der klassischen Moderne, Henri Matisse und Pablo Picasso ging es weniger um die "primitive" Vorlage - deren dokumentarisch eindeutige Bestimmung die Forschung lange dominierte - als um die Arbeit an "Konstanten menschlicher Kultur", also um eine Anthropologie im übertragenen Sinne.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2004

Eine kluge Studie über den Beitrag zweier hervorragender Künstler der Moderne zur Wahrnehmung primitivistischer Kunst hat Claudia Lanfranconi in Bärbel Küsters Doktorarbeit "Picasso und Matisse als Kulturreisende" entdeckt. Die Autorin sehe die Arbeit der Künstler im Kontext der visuellen Kultur um 1900. Damals waren es Ethnologen und Anthropologen, die den Blick auf die Welt bestimmten. So entspreche "die Entindividualisierung der Figuren bei Picasso und Matisse der Entindividualisierung der anthropologischen Fotografen". Besonders schlüssig erscheint der Rezensentin daher die - auch durch kunsttheoretische Zeugnisse untermauerte - Hauptthese der Studie: "Picasso und Matisse übernehmen nicht nur formale Elemente der anthropologischen Fotografie, sie adaptieren in ihren Bildern die anthropologische Frage nach den wesentlichen Merkmalen des Menschen." Letztlich sei es den Malern "um ein allgemein gültiges weibliches Schönheitsideal" gegangen. Eines findet Lanfranconi allerdings doch einzuwenden. Denn nicht ganz auf der Höhe des übrigen Buches befinde sich die Schlussbemerkung: "Picasso thematisierte die weiblichen Verlockungen als anthropologische Konstante."

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