Mit elf Abbildungen. Was muss geschehen, damit ein Mann vom Freigeist zum Berufsrevolutionär und dogmatischen Stalinist wird? Der Schriftsteller und DDR-Kulturfunktionär Alfred Kurella (1895-1975) glaubte, dass Menschen nach einer festgelegten Parteilinie geformt werden müssen, und zählte sich selbst zu den Auserwählten, die das Formen übernehmen können. Abweichungen hat er bekämpft, er hat Karrieren zerstört und Menschen an ihrem künstlerischen Schaffen gehindert. Wie wurde er der, der er war? Um diese Frage zu beantworten, nimmt Martin Schaad detektivische Ermittlungen zu Kurellas Leben auf. Alfred Kurella selbst hat keinen Text verfasst, der darüber Aufschluss geben könnte, jedoch hat er Mitte der 1930er Jahre in Moskau einen Roman geschrieben "Die Gronauer Akten". Vordergründig wird darin ein Kriminalfall in einem kleinen niedersächsischen Dorf zur Zeit des Nationalsozialismus geschildert. Bei genauem Lesen jedoch weist dieser Roman starke autobiografische Züge auf was Kurella allerdings stets leugnete. Martin Schaad hat den Roman genau interpretiert, hat unterschiedlichste Indizien zusammengetragen und kann sowohl den Zeitpunkt als auch die Gründe für Kurellas Verwandlung in einen dogmatischen Großinquisitor der DDR-Kultur benennen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2014
Wie der Historiker Martin Schaad in seinem Buch Alfred Kurellas Roman "Die Gronauer Akten" an die Lebenslinien des Autors und sozialistischen Funktionärs anlegt, findet Jens Bisky aufschlussreich. Wie jemand Stalinist wird, meint Bisky, zeigt der Roman, zeigt Schaad in seiner biografischen Spurensuche. Schaads Recherchen in Kurellas Nachlass und Kaderakten und die Rekonstruktion der Funktionärswerdung findet Bisky behutsam und präzise und für den Leser dramaturgisch raffiniert gemacht.
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