Aus dem Französischen von Resel Rebiresch. Im Chinesischen Meer kreuzt eine Luxusyacht, am Steuer ein berühmter Seemann, der unter die Piraten gegangen ist: Corto Maltese. Wir befinden uns im Jahr 2001, kurz vor 9/11. Die Suche nach einem mythischen Goldschatz führt den Kapitän ohne Schiff von Tokio nach Peru, aber die Terrorgruppe Black Ocean sowie ein Drogenkartell sind auch hinter dem Schatz her. Die Frau in Cortos Leben ist jetzt die Kriegsreporterin Freya, und dann gibt es noch Raua, die Inka-Heilerin...
Christoph Haas bespricht zwei neue "Corto-Maltese"-Comics, die seiner Ansicht nach musterhaft zeigen, wie heute klassische Comic-Serien fortgesetzt werden können. Während die Spanier Juan Díaz Canales und Rubén Pellejero weitermachten wie bisher, setze Bastian Vivès auf radikale Neuerfindung. Haas weiß, dass der Franzose wegen einer gewissen Enthemmtheit in der Comic-Szene nicht mehr wohlgelitten sei, aber seinen ins 21. Jahrhundert versetzten, genderfluiden Corto Maltese findet Haas einfach klasse: In eleganten Zeichnungen erzähle er vom Kampf radikaler Umweltschützer gegen Hochseefischer, mit dabei eine japanische Geheimagentin, eine engagierte Dokumentarfilmerin und eine peruanische Heilerin. Wild, aber schlüssig, freut sich Haas.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.05.2022
Rezensent Fritz Göttler liebt den Seefahrer Corto Maltese einfach, den Hugo Pratt einst als Inbegriff der Freiheitssehnsucht und Lässigkeit entwarf. Wenn Martin Quenehen und Bastien Vivès dessen Geschichte nun fortschreiben, sieht Göttler bei allen Unterschieden doch viel von seinem Sex-Appeal bewahrt. Der neue Corto Maltese ist jünger, ein Weltenbummler und Kind der Gegenkultur, die Frau an seiner Seite eine ökologisch engagierte Filmemacherin. Wie hier altes Wissen und jugendliche Energie aufeinandertreffen, findet Göttler ausgesprochen erotisch. Im Vergleich zu Pratts "wunderschönen Pastellbildern" belässt es Vivès beim Skizzenhaftem, wodurch sie, wie der Rezensent erkennt, nicht das Geschehen abbilden, sondern allein die Bewegung. Für Göttler ein "Heldenlied auf Unabhängigkeit".
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