Martha Heesen

Die Nacht, als Mats nicht heimkam

Ausgezeichnet mit der Goldenen Eule 2004 (Ab 12 Jahre)
Cover: Die Nacht, als Mats nicht heimkam
Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2005
ISBN 9783794180370
Gebunden, 116 Seiten, 11,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf. Mats ist ein Träumer und ein ganz besonderer Junge. Er kann stundenlang bei Regen über den Strand laufen, in das dunkle Wasser des Moorsees schauen oder mit den Krähen reden. Immer hat er seine rote Zeichenmappe dabei. Mats macht Zeichnungen, von denen dem Betrachter schwindlig wird. Und ständig verschwindet er. Kaum dreht sein älterer Bruder Peet ihm den Rücken, ist er weg. Nur Peet weiß, wo Mats steckt, und er muss ihn immer zurückholen: mal vom Hausdach, mal von der Pferdekoppel oder spätabends vom Ufer des Moorsees. Eines Nachts radelt Mats über 35 Kilometer zum großen Fluss. Er will herausfinden, ob die Schiffe auch im Dunkeln fahren. Da platzt Peet der Kragen ... Berührend und mit respektvoller Distanz zu ihrem Protagonisten erzählt Martha Heesen vom Beziehungsgefüge innerhalb einer Familie, das immer mehr aus dem Lot gerät. Spannung, meisterhaft aufgebaut und verdichtet bis zum Schluss, wo sie sich gewitterhaft entlädt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2006

Die Rezensentin Angelika Overath bringt dieses feinfühlige, an "Seelendramen" reiche Buch über die nach dem Tod der Mutter auseinander fallende Familie des 11-jährigen autistischen Mat, zum Schwärmen. Sie findet das Buch "bewundernswert". Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive seines 3 Jahre älteren Bruders Peet, der es immer wieder schafft, den immer wieder verschwindenen Mats zu finden. Das Resultat ist "eine todtraurig schöne, eine aufklärende Lektüre für Kinder, die immer wieder einmal ihre Eltern tragen müssen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

An diesem Jugendbuch von Martha Heesen beeindruckt Olivier Löffler besonders, dass die niederländische Autorin "geschickt den automatischen Reflex" der Leser für sich einspannt, aus Andeutungen und Erzählsprüngen eine "spannende Story" zusammenzusetzen. Letzten Endes löst die Geschichte um einen "gebrochenen" Vater, eine gestorbene Mutter, einen verschwundenen Bruder und einen "unspektakulären Helden" die Erwartung auf ein mysteriöses Geschehen oder ein furioses Finale zwar nicht ein, doch da hat das Buch seine Leser schon tief in den Bann gezogen, berichtet der Rezensent fasziniert. Dann erst merke man, dass nicht das "rätselhafte Verschwinden" des genialen kleinen Bruders im Mittelpunkt steht, sondern der Erzähler, der große Bruder, der der eigentliche Held dieses "bemerkenswerten Buches" ist, erklärt Löffler eingenommen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.11.2005

Der 15-jährige Peet trägt eine schwere Last in Martha Heesens Roman "Die Nacht, als Mats nicht mehr heimkam". Er wird der ruhende Pol in seiner Familie, als die Mutter tödlich verunglückt und plötzlich das Leben zum Stillstand kommt. Die Rezensentin Hilde Elisabeth Menzel empfindet große Sympathien für die verzweifelte Lage des "liebenswerten Jungen", der sich für den "gebrochenen alten" Vater und den "kleinen Irrgast", seinen eigenbrödlerischen Bruder Mats, verantwortlich fühlt. Als Mats dann eines Nachts nicht mehr nach Hause kommt spürt Peet, dass er die Verantwortung nicht mehr tragen kann. Dieser "längste Tag seines Lebens" führt zu keinem Happy-End für den Jungen, "dem sich der Leser so nahe fühlt", muss Menzel am Ende resignierend feststellen.