Martin Kranich, ehemals Lehrer - Englisch, Deutsch - versucht verzweifelt, seinen zweiten Roman zu schreiben. Der Erstling, eine Realsatire über seine Schulerfahrungen, bescherte ihm mäßigen Erfolg, das zweite Buch, eine gnadenlose Abrechnung mit dem Literaturbetrieb, wird von seinem Verleger abgelehnt. Kranich findet Unterschlupf bei seiner Erbtante Erna. Hier hat er eine geniale Idee und bereitet sich vor auf einen großen Wurf, ein zehnbändiges Epos mit 999 Seiten pro Band. Aber dann nistet sich seine schwangere Schwester Tamara bei ihm ein, und statt zu schreiben, geht Kranich unter in 28-Stunden-Tagen als Ersatzpapa, in Selbstzweifeln und im Wirrwarr der imaginierten Kritikerstimmen. Um möglichst schnell Geld verdienen und aus der Wohnung fliehen zu können, bräuchte er einen "literarischen Quickie". Vielleicht kann ihm Sebastian Pfeifer helfen, ein Neurowissenschaftler, der mittels transkranieller Magnetstimulation Kranichs Hirn zu frisieren versucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2009
"Bestens amüsieren" kann man sich mit Markus Orths zweitem Roman "Lehrerzimmer", resümiert Daniela Strigl, ist aber trotz zahlreicher Pointen und lustiger Passagen nicht ganz überzeugt von der Geschichte um den Deutsch- und Englischlehrer, der zum scheiternden Schriftsteller wird und gegen den Literaturbetrieb wettert. Denn, wie sie weiß, ist das Leichte und Satirische nicht gerade die einfachste Literaturform, und auch Orth hat sich ihrer Meinung nach daran verhoben. Seine Pointen sind mitunter vorhersehbar, seine Überspitzungen zu harmlos, wenn der Wahnsinn des Schriftstellers "allzu forsch ins Ungefährlich-Irreale treibt". Allerdings entfalte das Buch viele Ideen - von der Weinsucht des Autoren durch Weingeschenke bis zum Projekt eines 10.000 Seiten langen Großromans über den Grafen von St. Germain. Den Literaturbetrieb wird dieses Buch indes nicht umstürzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2009
Etwas zu gut geölt hat Markus Orths für Christoph Schröders Geschmack seine zweite Romanmaschine, in dem ein Lehrer, der seinen Beruf für eine Schriftstellerkarriere an den Nagel gehängt und einen erfolgreichen Roman mit "Schulgeschichten" veröffentlicht hat, an Alkoholismus und einer Schreibblockade leidet. Als flotte Mischung von "Klamauk, Farce, Persiflage" auf den Literaturbetrieb liest sich das ganze offensichtlich ganz unterhaltsam, wird vom Rezensenten aber letztlich doch als immerhin "halbwegs intelligentes Strickmuster" abgetan, das ihm, so ist der Eindruck dieser knappen Kritik, allzu routiniert daherkommt.
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