Übersetzt von Günter Plessow. Nachwort von Ina Schabert. Kompromissloser Freiheitsdrang, Rebellion gegen das Establishment, gegen weltliche und religiöse Autoritäten und gesellschaftliche Konventionen, bringen in Edna St. Vincent Millays Leben ein hohes Maß jener Formlosigkeit, der ihr Dichten als Ordnungskraft beikommen will. Sie ging hetero- und homosexuelle Verbindungen ein, in denen sich Sexualität, emotionale Zuneigung und intellektuelle und dichterische Verbundenheit auf komplexe Weisen überlagern konnten. Von ihrem Ehemann ist zu Millays Affären die Aussage überliefert, er toleriere alle Freiheiten, die sich seine Frau nähme, solange diese ihrer dichterischen Kreativität nicht abträglich seien. Mindestens so wichtig wie die Weite, Unkonventionalität und Intensität der Erfahrung war Millay deren Überführung in gut gemachte Gedichte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2009
Mit viel Bewunderung bespricht Rezensent Werner von Koppenfels diese Übersetzung von zwei Langgedichten der 1950 verstorbenen amerikanischen Lyrikerin Edna St. Vincent Millay, die für ihn aus der "Spannung von Todesnähe und Vitalenergie" leben und von einem merkwürdig beschwingten Metrum getragen werden. Denn Übersetzer Günter Plessow habe sich stark, manchmal auch halsbrecherisch, auf die "hochartifiziellen Sprachgebilde" der Dichterin eingelassen, weshalb diese zweisprachige Ausgabe der ungewöhnlichen Autorin und ihren lyrischen Ekstasen und triumphalen Selbstinszenierungen hierzulande hoffentlich ein verdientes Comeback und viele Leser bescheren wird. Denn von Koppenfels sieht auch das lang andauernde Monopol der von Ezra Pound und T. S. Eliot vertretenen klassischen Moderne langsam verblassen und daher die Zeiten dieser Lyrikerin wohl gesonnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2008
Die Begegnung mit dieser Dichterin hat Harald Hartung sichtlich genossen. Als Chance, Edna St. Vincent Millay wiederzuentdecken, sieht er den von Günter Plessow herausgegebenen zweisprachigen Band. Dafür bürgt laut Rezensent eine Auswahl, die nicht das Schönste und Bekannteste zusammenfasst, sondern auf geschlossene Werkgruppen setzt. Die freie Übertragung der beiden frühen Langgedichte sowie der zwei Sonett-Sequenzen aus Millays Reifezeit überzeugt den Rezensenten zwar nicht ausnahmslos. Der zugleich respektvolle und unterminierende Umgang der Dichterin sowohl mit lyrischen Sprechweisen, als auch mit gesellschaftlichen Verhältnissen, bleibt für ihn vernehmbar und bemerkenswert.
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