Was aber ist das Leben? Die Kindheit, in der die Möglichkeiten grenzenlos scheinen und wir uns auf Entdeckungsreisen begeben, von unseren Eltern jedoch missverstanden werden? Beginnt das Leben mit dreißig, wenn wir unsere Entscheidungen treffen - und gleichzeitig die Angst lauert, es könnten die falschen sein? Mit fünfzig, wenn wir den Preis für diese Entscheidungen zahlen und zu Nörglern werden? Margit Schreiners Blick dringt tief unter die Oberfläche menschlicher Existenz. Das Buch der Enttäuschungen beschreibt den unaufhaltsamen Prozess der Desillusionierung, der das Leben charakterisiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2006
Als "bisher poetischstes Werk der Autorin" würdigt Rezensent Wolfgang Schneider dieses Buch von Margit Schreiner über ein Frauenleben im Lichte der Enttäuschung. Die in wechselnden Erzählhaltungen geschilderten Desillusionierungsschübe am Ende der Kindheit und das Absterben von Möglichkeiten im Erwachsenenalter haben Schneider sichtlich beeindruckt. Wer von dem Buch aber ausschließlich "routiniertes Lamento und pflichtschuldige Depression" erwartet, wird zur Freude Schneiders enttäuscht, ist doch auch von Erwartung und vom Glücksverlangen die Rede. Ihm erscheint das Buch sogar besonders "vital". Schmerzvolle wechselten mit komödienhaften Passagen. Und so lobt er das Werk als ein von "der Tragik und Komik des Lebens gleichermaßen durchdrungenes, angenehm unberechenbares Buch".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2006
Margit Schreiners "Buch der Enttäuschungen" bietet alles andere als leichte Kost, befindet Rezensent Hans Christian Kosler. Wie er berichtet, lässt die Autorin eine 78 Jahre alt gewordene Frau, die durch einen Schlaganfall lange Zeit ans Bett gefesselt war, von der Warte der Toten aus die bittere Bilanz ihres Leben ziehen. Ein Leben, das Kosler als ununterbrochene Reihe von Enttäuschungen, als "Katalog der Desillusioniereungen" beschreibt. Während ihn die Schilderungen von Babyalter, Schul- und Teenagerzeit nicht so recht überzeugen, gewinnt das Buch für ihn mit der Beschreibung des Alters: "Erst wenn schonungslos der physische Verfall, das Vergehen der Sinne, die Regression ins Kleinkindalter geschildert werden", urteilt Kosler, "bekommt die bittere Note, die dieses Buch bestimmt, ihre Gültigkeit und Berechtigung." Hier lese sich das Buch so glaubhaft, als habe die Autorin das Geschilderte selbst durchlebt.
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