Aus dem Englischen von Yvonne Eglinger. 1972 erschien Margaret Atwoods kanadische Literaturgeschichte "Survival" erstmals. Seitdem wird es gelesen, gelehrt, immer wieder aufgelegt - und nun, fast 50 Jahre danach, endlich auch ins Deutsche übersetzt. Margaret Atwood fragt darin: Womit hat unsere Literatur sich im Wesentlichen beschäftigt? Ihre provokante Antwort erläutert sie in zwölf Kapiteln. Als eine der Ersten betont sie die Bedeutung der Geschichten der First Nations, liest die kanadischen "Klassiker" neu und formte so die Eigenwahrnehmung ihrer Landsleute.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2021
Rezensentin Sandra Kegel sieht die kanadische Literatur im Jahre 1972 mit den Augen von Margaret Atwood. Ein aufregener Blick findet sie, wenngleich kein besonders optimistischer. Denn: Atwood begreift die Literatur Kanadas als eine von Angst und vom Kampf ums Überleben (das nackte und das kulturelle) getriebene. Atwoods Textbeispiele über ständig scheiternde kanadische Antihelden findet Kegel allerdings auch komisch. Dass Atwoods Thesen bis heute umstritten sind, wundert die Rezensentin nicht. Dass der Band erst jetzt auf Deutsch erscheint, schon. Schließlich bietet Atwood allerhand originelle Perspektiven, meint sie, auf die kanadische Literatur wie auf das Land selbst.
Rezensentin Tanya Lieske empfiehlt dieses Buch von Margaret Atwood aus dem Jahr 1972 allen Atwood-Fans. Diesen bietet der Band laut Rezensentin die Chance, der Autorin dabei zuzusehen, wie sie ihre eigene Poetik umreißt. Ein Schlüssel zu Atwoods Werk, meint Lieske. Mit einer irgendwie objektiven kanadischen Literaturgeschichte hat das nichts zu tun, erläutert die Rezensentin. Wenn Atwood mit dem für ihre Poetik zentralen Begriff des "Überlebens" Traditionen, Abhängigkeiten und Motive der kanadischen Literatur bis ins Jahr 1972 untersucht, begeistert sich Lieske für die Pointiertheit und die Scharfzüngigkeit der Gedanken und der Sprache sowie für die "hermeneutische Flexibilität" der Autorin.
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