Marcus Braun

Hochzeitsvorbereitungen

Roman
Cover: Hochzeitsvorbereitungen
Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783827005069
Gebunden, 234 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mainz liegt am Mississippi. Mit 19 Jahren die große Freiheit. Die Welt steht offen. Alles ist möglich. Doch auf den jungen Mann lauert gleich in der ersten Biegung auf dem Weg ins selbstbestimmte wilde Leben der Zivildienst. Leon, einen frühvollendeten Meister in der Kunst zielstrebiger Orientierungslosigkeit, verschlägt es in den Hochsicherheitstrakt eines Mainzer Krankenhauses: die Zentralsterilisation.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2004

Wolfgang Schneider ist ganz angetan von diesem neuen Buch von Marcus Braun. Er findet ihn zwar noch nicht brillant, wähnt den Autor aber auf dem richtigen Weg. Brauns Stil beschreibt er, ähnlich wie seinen Protagonisten, als "leicht überkandidelt und cool, lakonisch und gespreizt zugleich". Das führt manchmal zu guten Passagen - etwa wenn der Protagonist die Atmosphäre in seinem Elternhaus beschreibt -,klingt aber für Schneiders Geschmack an anderen Stellen ein bisschen "sehr gewollt". Mit der Handlung ist der Rezensent ganz glücklich, es gibt ausreichend Verwicklungen, um keine Langweile aufkommen zu lassen: "Die alte Wahrheit, dass zu einer guten Liebesgeschichte mindestens drei gehören und der literarische Mehrwert sich vor allem dem Nebenbuhler verdankt, kommt in vielfacher Hinsicht zur Geltung", stellt der Rezensent befriedigt fest. Und auch dass die Geschichte in Mainz und Umgebung und nicht im literarisch überrepräsentierten Berlin angesiedelt ist, gefällt Schneider.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2004

Marcus Brauns Buch sei "ein schöner Klamauk", urteilt Kai Martin Wiegandt. Es erzählt aus dem Leben des Zivildienstleistenden Leon, der, von seinem Zivi-Dasein gelangweilt, als "passiv programmiertes Individuum" zum Spielball des Zufalls wird, so der Rezensent, und damit auch zum Spielball der Frauen. Dabei sei der Autor ein "Sprachschöpfer und quacksalbernder Philosoph von Gnaden", dem immer etwas Abartiges einfalle und dem es mit bemerkenswerter Sicherheit gelinge, Alltägliches witzig zu sagen, meint Wiegandt und berichtet von "gezielt unpassenden Heideggerparaphrasen". Der bekannte und enge Rahmen des Zivildienstes bewahre Brauns Buch davor, bloß eine Reihe amüsanter Episoden zu sein, doch als "Daseinsanalyse des Zivildienstleistenden", die dessen "ziellos vorwärtsstolpernde Durchschnittlichkeit" in den Blick nehmen müsse, fehle manchmal der umspannende Rahmen und es werde zu "spätpubertär legitimiertem Krach", der aber sogar dann noch Freude bereite, wenn auch nur eine kurze, beschreibt Wiegandt die Schwäche des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2003

Ein "Mikrokosmos menschlicher Macken und Zacken" ist dieser Roman, schwärmt Rezensent Richard Kämmerlings. Dem Autor bescheinigt er erzählerische Leichtigkeit und die seltene Kunst, in kleinsten Details das Wesentliche zu sagen. Äußerlich geschehe wenig. Denn das, was Protagonist Leon erlebe, habe so oder ähnlich jeder schon erlebt. Doch nicht was, sondern wie Braun erzählt, macht für den Rezensenten das Besondere aus. Die kurzen, präzisen Sätze des Romans wirken auf ihn, als hätte es ihr Autor sich zum Prinzip gemacht, jeden zweiten Satz wegzulassen und alles nicht absolut Notwendige "mit dem Rotstift auszujäten". Aus den entstehenden Lücken sieht Kämmerlings dann immer wieder "aphoristische Erkenntnisfunken" stieben. Trotz aller Reduktion aber bleibt das Erzählen für den staunenden Rezensenten sinnlich und konkret. Wie stets in der Provinz, wo die Geschichte Kämmerlings zufolge spielt, herrsche außerdem kein Mangel an unvergesslichen Figuren.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Hans-Peter Kunisch hat rein gar nichts dagegen einzuwenden, dass ein bekanntermaßen eleganter Prosaist wie Marcus Braun einen Roman über einen jungen Mann schreibt, der sich für die Liebe nach Art eines unbeschwerten Zivildienstleistenden und für sonst gar nichts interessiert. 200 Seiten ohne Tiefe? - "eine schöne Kunst". Nur: "Leichtgewichtige Romane haben das Problem, dass Leichtgewichte nicht weit tragen." Da müssen der Geschichte des Taugenichts namens Leon noch ein paar unschöne Sätze zugefügt werden, "gegen allzu flüssiges Lesen". Geäußert werden sie, so Kunisch, von einer Nebenfigur, und von derartigen Störenfrieden in der sinnfreien Idylle hätte er sich noch ein paar mehr gewünscht.
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