Dieser Band beschäftigt sich mit der Biologisierung der Technik und der Technisierung der Biologie, wie sie heute in Robotik, Architektur und Materialdesign zum Tragen kommt, aber auch in der Weise, wie technisches Wissen über Natur produziert und zur Geltung gebracht wird. Ob Flugzeugdesign, klimaangepasste Architektur oder der Einsatz von Robotern im Körperinneren: Die Grenzen zwischen Biologie und Technik verschwimmen zusehends. Wissensproduktion, Produktdesign und Produktherstellung haben dabei ihren Ausgangspunkt in morphologischen Konzepten und Praktiken, die auf eine sehr lange Geschichte der Formerforschung zurückblicken. Marco Tamborini erzählt von der Zirkulation morphologischen Wissens zwischen Biologie, Ingenieurwissenschaft und Architektur seit dem frühen 20. Jahrhundert, untersucht aber auch die damit verbundenen philosophischen Fragen: Was ist Natur, was ist Technik? Worin besteht der Unterschied zwischen Lebendigem und Maschinen? Wie wird technisches Wissen über Natur erzeugt und welchen Einfluss haben dabei soziale und ökonomische Faktoren?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2022
Rezensentin Manuela Lenzen ist beeindruckt von diesem Band, mit dem ihr Marco Tamborini zeigt, dass Natur und Technik keine Gegensätze sind. Schon immer suchten Ingenieure in der Natur Lösungen für technische Probleme, und Philosophen diskutierten, ob man aus dem "Buch des Lebens" abschreiben könne oder ob man es übersetzen müsse. Die Rezensentin folgt Tamborinis Ausführungen gespannt und lernt, wie die Biomechanik die Bewegung von Thunfischen zu kopieren versucht oder evolutionäre Algorithmen mit dem Muster von Variation und Selektion arbeiten. Allerdings vermisst Lenzen die radikalsten Bespiele, in denen die Grenzen zwischen Natur und Technik verwischt werden, etwa ferngesteuerte Käfer oder Xenobots, die am Rechner entworfen und in der Petrischale gezüchtet werden.
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