Der Bürgerkrieg in Vietnam zählt zu den bedeutendsten Kriegsschauplätzen nach 1945, zeigt er doch, dass der Kalte Krieg weder kalt noch die USA allmächtig waren. 40 Jahre nach Kriegsende erzählt Marcelino Truong in "Ein schöner kleiner Krieg" von seiner Kindheit in Saigon, als die Fronten sich verhärteten und der Konflikt an Schärfe und Brutalität zunahm. Truongs Familie gehört zu einer Oberschicht, die dem korrupten und autoritären Präsidenten Ngo Dinh Diem nahesteht. Sein Vater steht im diplomatischen Dienst. Während in der Hauptstadt Cocktailpartys gefeiert werden, hört man in den Bergen Explosionen. Das kleine Land versinkt im Chaos: Arm steht gegen Reich, Katholiken gegen Buddhisten, Kommunisten gegen Imperialisten. Gelingt es der Familie, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen?
Matthias Heine ist froh, den Vietnam-Krieg einmal von einer anderen Seite zu sehen. Bei Marcelino Truong ist das die Seite der alten südvietnamesischen Eliten, die französische Schlager und Literatur lieben und Fernandel schauen. Dass hier soziale und gesellschaftliche Unterschiede zu beachten sind zwischen der von Truong in seinem Comic gezeigten Welt und der Welt der Landbevölkerung, sollte sich der Leser karmachen, meint Heine. Ansonsten begeistert ihn der politische Perspektikvwechsel auf Vietnam 1961, das sich hier so ganz anders darstellt als mit Napalmrauch und Hubschraubern, meint der Rezensent, als eine dem Untergang geweihte Welt.
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